Training from the Back of the Room! – Buchtipp für interaktives Training

interaktives Trainingvon Albert Glossner

Letztes Jahr habe ich mich mit englischsprachiger Literatur rund ums Training beschäftigt. Ein Buch hat mich allein durch seinen Titel sehr angesprochen: „Training from the Back of the Room“. Darin  geht es um vielfältige Methoden, ein wirklich interaktives Training zu gestalten – und ich habe viel Neues entdeckt.

 

 An wen richtet sich das Buch?

Das Buch von Sharon Bowman wendet sich vor allem an Trainerinnen und Trainer, die im Bereich Fach- oder Produktschulung tätig sind. Die Anwendungsbeispiele sind vor allem aus diesem Bereich, zum Teil aber auch aus dem Softskill-Training. Die Autorin vertritt den Standpunkt, dass Trainerpräsentationen nie länger als 10 min dauern sollten. Nur so ist sichergestellt, dass die Teilnehmer wirklich aktiv beteiligt sind und wirklich effektives Lernen stattfindet. Effektives Lernen, so ihr Standpunkt, funktioniert nur über hohe Aktivität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wie ein interaktives Training gestaltet werden kann, darum geht es in diesem Buch.

Interaktives Training: „4 C“ als Modell der Trainingsphasen

Das grundlegende Strukturierungsmodell, mit dem Sharon Brown in ihren Trainings arbeitet, ist das  Modell der 4 C. Dabei steht jedes „C“ für eine Phase im Training und bedeutet:

  • Connection
  • Concepts
  • Concrete Practice
  • Conclusions

Connection“ steht für Verbindung / Kontakt zum Thema, aber auch zu den anderen Teilnehmern. Methoden in dieser Phase ermöglichen ein Warm-up der Teilnehmer, aber auch eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema.

Concepts“ steht für die Modelle, Inhalte und Themen, die vermittelt werden. Die Empfehlung ist in diesem Trainingsansatz, dass Trainerpräsentationen nicht länger als 10 min dauern sollten und dann unmittelbar in einer Aktivität wiederholt und mit bereits Bekanntem verknüpft werden.

Concrete Practice“ steht für Wiederholung und Übung. Diese kann sich auf das Wiederholen von Inhalten beziehen oder auch in einem fähigkeitsorientierten Training auf den praktischen Einsatz der zuvor vermittelten Fähigkeiten.

Conclusion“ beinhaltet mehrere Schritte: Vorbereitung der Umsetzung, z.B. durch das Erarbeiten von Umsetzungsplänen, Zusammenfassung und Bewerten des Gelernten, Feedback zum Training, aber auch Feiern des Erreichten.

Nachdem ich dies gelesen hatte, war mir klar: die Autorin ist Suggestopädin. Hinter diesen vier Phasen atmet die Idee des suggestopädischen Kreislaufes, der im Modell der IAL (Amerikanischer Suggestopäden-Verband) auf ein ganz ähnliches Modell vereinbart wurde.

Im Folgenden möchte ich für jede der 4 Trainingsphasen jeweils eine Methode aus diesem Buch beispielhaft vorstellen.

 Methode Wall Writing (Phase Connection)

Auf Pinnwänden oder auf Flipcharts, die an die Wand gehängt werden, werden schon zu Beginn des Trainings die wesentlichen Inhalte der Trainingseinheit präsentiert. Nachdem die Teilnehmer diese durchgelesen haben, werden sie aufgefordert, gemeinsam mit einem Partner die Inhalte zu besprechen und zu bewerten. Dazu erhalten sie einen Marker und können diese kommentieren. Dazu können folgende Symbole verwendet werden:

 

 

 

 

 

 

Im Anschluss daran wird im Plenum darüber gesprochen. Auswertungsfragen können sein:

  • „Welche neuen Informationen waren auf den Charts?“
  • „Was ist wirklich wichtig und für die Praxis bedeutsam?“

Methode Rapid response (Phase Concepts)

Nach kurzen Informationseinheiten (spätestens nach 10 min) werden die Inhalte durch kurze Wiederholungsfragen aktiviert. Folgende Möglichkeiten können genutzt werden:

  • Gruppenarbeit: „Tauscht euch in eurer Gruppe über das Gelernte aus: was sind die wichtigsten 5 Informationen?“
  • Einzelarbeit: „Welche Frage für einen Wissenstest kannst du aus dem Gelernten formulieren? Schreibe diese auf eine Karte.“ (Diese können später für eine Wiederholung genutzt werden.)
  • Einzelarbeit: „Schreibe in einem Satz eine Zusammenfassung der Information.“ Danach Austausch zu zweit: „Worin unterscheiden sich eure Zusammenfassungen?“
  • Frage im Plenum: „Wenn ich jetzt anhalte und euch eine Frage stellen würde, welche könnte das sein?“ (Jeder notiert eine Frage und fünf davon werden vorgelesen und gemeinsam beantwortet.)

Methode Teach-Back-Aktivitäten in Partnerarbeit (Phase Concrete Practice)

Um die Inhalte zu üben oder die Praxis zu üben, können zur Wiederholung folgende kurze Aktivitäten in Partnerarbeit durchgeführt werden:

  • Wechselseitig informieren sich die Partner über die Inhalte, die wirklich behalten werden sollten.
  • Gegenseitig wird die erlernte Fähigkeit demonstriert, wobei der Partner jeweils Feedback gibt.
  • Wechselseitig stellen sich die Partner gegenseitig Fragen zum Lernstoff.
  • Beide gemeinsam bereiten eine kurze 1- oder 2-minütige Demo der Inhalte oder gelernten Fähigkeiten vor, die sie später dann den anderen Teilnehmern zeigen werden.

Methode Stand and deliver (Phase Conclusion)

Hier werden allen Teilnehmern eine Auswahl an Fragen (z.B. auf Flipchart) zur Verfügung gestellt, von denen sie sich jeweils zwei aussuchen. Diese Fragen sind zum Beispiel:

  • Was sind die wichtigsten Inhalte, die du in dieser Trainingseinheit gelernt hast?
  • Wie wirst du diese Inhalte in deiner Praxis verwenden?
  • Welche Verhaltensänderungen wirst du auf dieser Grundlage vornehmen?
  • Welche Schritte wirst du unternehmen, um noch mehr über die Themen zu lernen?
  • Mit wem kannst du teilen, was du gelernt hast und was wirst du dieser Person erzählen?
  • Welche Frage hast du noch zu den Themen? Wie kannst du eine Antwort darauf finden?

Dann stellen sich jeweils drei Personen zusammen und tauschen jeweils ihre Antworten aus.

Fazit:

Natürlich eignet sich nicht jede Methode für jedes Thema und jedes Training. Wer aber Anregungen sucht, um das eigene Training interaktiver zu gestalten und das Englische nicht scheut, für den ist das Buch eine gute Wahl.

Eine Alternative zum Buch ist aber auch das Modul „Lernwelten gestalten“ der Suggestopädie-Ausbildung der abb-seminare. Weitere Infos hier:

https://www.abb-seminare.de/suggestopaedie.html


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