5 Tipps zur Lernatmosphäre im Training

Lernatmosphäre

von Albert Glossner

„Grundlage für optimales Lernen ist eine freudige, entspannte Atmosphäre.“ Dies ist eine der wesentlichen Aussagen der Suggestopädie. Diese Aussage wird durch Forschungen der Neurowissenschaften und der Emotionsforschung in den letzten Jahrzenten vielfältig bestätigt. Was kann ich als Trainer/Trainerin dafür tun, damit eine solche Atmosphäre entsteht? Meine 5 Tipps dazu.


Der Nutzen positiver Emotionen für das Lernen

Einer der bekanntesten Vertreterinnen der Positiven Psychologie ist die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson. Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeit ist die Bedeutung positiver Emotionen. In verschiedenen Experimenten konnte sie nachweisen, dass Menschen in einer positiven Stimmung interessierter an ihrer Umgebung sind, aufmerksamer sind, kreativer an Dinge herangehen, besser Probleme lösen und erfolgreicher kommunizieren können. All diese Beobachtungen hat sie in ihrer „Broaden-and-Build“-Theorie zusammengefasst. Diese besagt in Kürze, dass positive Emotionen kurzfristig die Aufmerksamkeit weiten und das Lernen fördern und damit langfristig den Aufbau neuer Ressourcen unterstützen, was sich in höherer Resilienz, verbesserten gesundheitlichen Kennzahlen und in psychischem Aufblühen niederschlägt. Damit wird eine Aufwärtsspirale in Gang gesetzt.

Lernatmosphäre

Zusammengefasst und auf das Lernen bezogen gilt:
Lernen in positiver Stimmung ist erfolgreicher. Dies gilt auf jeden Fall für Lerninhalte, die mit gedanklicher Flexibilität, Problemlösefähigkeit und kommunikativen Prozessen in Verbindung stehen.
Wer dagegen lernen will, automatisch, ohne nachzudenken und in höchsten Stress-Situationen sein Sturmgewehr auseinander und wieder zusammenbauen können möchte, lernt dies wahrscheinlich in einer Stress-Situation am besten.
Insofern dürfte eine freudige und entspannte Lernatmosphäre für die meisten von uns Trainern/Trainerinnen die bessere Wahl sein.
Wie kann ich als Trainer/in die Lernatmosphäre positiv beeinflussen?

1. Bedeutsames Lernen – Nutzen bieten

Grundlage für alles ist, dass die Teilnehmer die Erfahrung machen, dass das, was sie lernen, für sie und ihr Leben und ihre Arbeit bedeutsam und nützlich ist. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, machen auch alle weiteren, unten beschriebenen Interventionen wenig Sinn.

2. Lernen als soziales Ereignis – Kommunikation fördern

Die zweite Grundlage ist, dass ich als Trainer den Boden dafür schaffe, dass die Teilnehmenden in Kommunikation und Austausch miteinander treten und auch Strukturen dafür schaffe. Das fängt damit an, dass ich die Form der gegenseitigen Ansprache kläre, dafür sorge, dass jeder den Namen jedes anderen kennt, dass ein zumindest kurzes Kennenlernen stattfindet, indem jeder im öffentlichen Raum des Seminares etwas sagt, dass ich unterschiedliche Sozialformen einsetze (Einzel-, Partner-, und Gruppenarbeit), dass ich dafür sorge, dass diese mit jeweils wechselnden Partnern durchgeführt werden und dass auch die Pausen genügend lang sind, damit die Teilnehmenden ins Gespräch kommen können. Aber auch gruppendynamisch wirkende Interventionen wie Blitzlicht, Meta-Kommunikation oder gut ausgewertete Teamaktivitäten können die Kommunikation entscheidend fördern.

3. Lernen im Rhythmus – für Abwechslung sorgen

Nichts ist tödlicher als Langeweile. Oder wenn Lernprozesse so gestaltet sind, dass sie nicht zur biologischen Grundausstattung von uns Menschen passen. Beispiele dafür gibt es viele:

  • zu langes Sitzen, Mangel an Bewegung
  • Überforderung der Fähigkeit, aufmerksam zu sein
  • Informationsüberflutung (z.B. bei zu langen PowerPoint-Vorträgen)
  • schlechte Luft
  • jede Art von Gleichförmigkeit im Lernprozess

Positiv formuliert geht es darum, dem menschlichen Lernryhthmus durch einen Wechsel der Infoaufnahme und –verarbeitung, eingebunden in vielfältige Lernaktivitäten allein, mit anderen oder mit der gesamten Gruppe gerecht zu werden; und darum, dabei das richtige Maß von Anforderung (weder Unter- noch Überforderung) an Schwierigkeit, Aufmerksamkeit und Lernmenge zu treffen.

4. Lernumgebung – Lernen darf schön sein

„Der Raum ist der dritte Pädagoge“ – diese Aussage stammt aus einem pädagogischen Ansatz im Vorschulbereich, der sehr stark auf die Wirkung von Lernräumen setzt. In meiner Erfahrung hätte er aber genauso in der Erwachsenenbildung seine Berechtigung. Die Lernumgebung ist ein Faktor, der nach meiner Erfahrung völlig unterschätzt wird. Immer wieder bin ich von Tagungshotels überrascht, in denen der gastronomische Bereich großzügig und ästhetisch gestaltet wird, die Seminarräume aber ein kümmerliches Dasein fristen. Die Bedeutung von ausreichend großen, ästhetisch gestalteten, einen Blick in Natur oder in die Weite ermöglichenden Räumen halte ich für essenziell. Musik kann diese Wirkung noch weiter unterstützen, aber auch gut gestaltete Flipcharts, eine passende Anordnung der Medien und schöne Lernmaterialien unterstützen diese Wirkung.

5. Meine Person – unterstützende Beziehungen gestalten

Die Erfahrung kennt wahrscheinlich jeder: an einem Seminar teilzunehmen und sich selbst dabei zu beobachten, wie viel Energie es kostet, mit einem/r Teilnehmer/in zurecht zu kommen, zu dem/der es Spannungen gibt. Noch schlimmer ist, wenn ich nicht in der Lage bin, mich auf die Person des Trainers/der Trainerin einzulassen.

Immer wieder habe ich an mir selber beobachtet, welche Auswirkung es hat, ob ich ein Training in einem eher angespannten Zustand oder eher mit Freude und Gelassenheit durchführe. Diese positive Grundstimmung, in einem Training auch über mehrere Tage oder noch längere Zeit zu ermöglichen, setzt im Grunde eine kontinuierliche Arbeit an der eigenen Person voraus. Hier war für mich gerade die Auseinandersetzung mit der Positiven Psychologie sehr unterstützend.

Ach ja: Schauspielerei hilft auch – aber nur sehr begrenzt. Auf Dauer wird diese für alle Beteiligten sehr anstrengend.

Abschließende Bemerkung

Gruppen und Gruppenentwicklung haben auch ein Element, das nichtkontrollierbar ist: Ich kann alles richtig machen – und dennoch knirscht die Atmosphäre. Oder auch den einen oder anderen Fehler machen – und dennoch entwickelt sich alles konstruktiv und positiv! Und manchmal ist es auch nötig, dass es knirscht, um gemeinsam ein Stück weiter zu kommen.

Weitere Anregungen, mit welchen Mitteln du die Atmosphäre deiner Trainings positiv beeinflussen kannst, erhältst du im Modul „Zaubern“ der Trainerausbildung:
https://www.abb-seminare.de/zaubern.html
Modelle und Tools zur Arbeit mit Gruppen erhältst du im Modul „Gruppe und Team“:
https://www.abb-seminare.de/gruppendynamik.html


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