von Christian Rosenblatt, 11. Juni 2025
Was macht ein Team wirklich aus? Wie entsteht ein gemeinsames „Wir-Gefühl“ – jenseits von Zielvereinbarungen oder Aufgabenverteilungen? Im Teamcoaching stoßen wir immer wieder auf die Herausforderung, dass Teams ihre Identität nicht klar fassen können – oder gar nicht wissen, dass sie eine haben. Hier setzt der Team-Identitäts-Prozess (TIP) von Martina Schmidt-Tanger an: Eine kreative Methode, die Teams hilft, sich über ihr Selbstverständnis, ihre Werte und ihre Zusammenarbeit neu zu verständigen – und das auf überraschend leichte und gleichzeitig tiefgründige Weise.
Am Anfang des TIP steht eine einfache, aber kraftvolle Frage: Wer oder was sind wir als Team? Diese Frage ist schwer direkt zu beantworten – aber sie lässt sich hervorragend über eine Metapher erschließen. Der methodische Trick: Anstatt abstrakt über Identität zu reden, wird das Team eingeladen, sich selbst mit einem Bild oder einer Analogie zu beschreiben. Sind wir ein Rennradteam, das sich blind vertraut? Eine Jazzband mit viel Freiraum und Improvisation? Ein Kreuzfahrtschiff mit klaren Rollen und viel Komfort?
Zunächst sammeln sich die Teammitglieder in Kleingruppen und entwickeln gemeinsam eine erste Metapher. Dann schließen sich Gruppen zusammen und diskutieren ihre Bilder, mit dem Ziel, sich auf eine gemeinsame Metapher zu einigen. In der letzten Stufe bringt das ganze Team die bisherigen Vorschläge zusammen – bis eine gemeinsame Teammetapher entsteht.
Dabei entstehen Reibungspunkte: Manche sehen sich vielleicht eher als Feuerwehr, andere als kreatives Atelier. Doch genau in diesen Diskussionen liegt der Wert des Prozesses. Denn es geht nicht um die „richtige“ Metapher – sondern darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Unterschiede sichtbar zu machen und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.
Ist die Metapher gefunden, geht es ans Konkretisieren: Was bedeutet das für unseren Alltag? In einem Brainstorming sammeln die Teammitglieder Begriffe, Haltungen und Verhaltensweisen, die aus ihrer Sicht zur Metapher passen. So entsteht ein lebendiges Bild davon, was das Team ausmacht – und was es gemeinsam anstrebt.
Die Metapher wird im nächsten Schritt in Werte übersetzt. Was steckt dahinter? Zum Beispiel: Vertrauen, Verantwortung, Flexibilität, Zielorientierung. Daraus wiederum können klare Handlungsprinzipien für die Zusammenarbeit abgeleitet werden. Der Prozess endet idealerweise nicht mit einem schönen Bild, sondern mit einer gemeinsamen Sprache, Orientierung und konkreten Vereinbarungen für den Alltag.
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Der Team-Identitäts-Prozess ist eine wirkungsvolle Methode, um Teams in Kontakt mit ihrem Selbstverständnis zu bringen – kreativ, strukturiert und tiefgehend zugleich. Er schafft Klarheit, Verbindung und ein gemeinsames Fundament, auf dem Zusammenarbeit wachsen kann. Gerade in Zeiten von Veränderung, Neuaufstellung oder Unklarheit über Rollen und Ziele bietet TIP eine echte Chance zur Neuausrichtung – mit Bildern, die wirken.
Das Thema Teamidentität ist unter anderem Teil des Seminars „Coaching in Organisationen“. Hier lernst du, Teams und Organisationen systemisch zu begleiten.
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