Ganz ohne Tschakah-Tschakah: Was einen guten NLP-Trainer ausmacht

Christian Rosenblattvon Christian Rosenblatt

Wenn ich mir im Internet NLP-Videos anschaue, Artikel über NLP lese oder KollegInnen bei der Arbeit beobachte, dann gibt es unter diesen Beiträgen etliches, was mich auch nach 30-jähriger Beschäftigung mit dem Thema noch inspirieren oder gar begeistern kann. Doch leider finde ich auch einiges, dessen Betrachtung bei mir Unbehagen auslöst. Offen gesagt schäme ich mich sogar für manches, was unter dem Begriff NLP daherkommt und möchte damit nicht in einen Topf geworfen werden.

 

Wenn ich dann mit Teilnehmenden oder KollegInnen über dieses Erleben spreche, dann werde ich immer mal wieder gefragt, woran ich dieses Empfinden denn eigentlich fest mache? Was ist es denn genau, was aus meiner Sicht die Spreu der NLP-Trainer vom Weizen trennt?

Natürlich sollte jeder NLP-Trainer einen eigenen, individuellen Arbeitsstil entwickeln. Doch bei allen Unterschieden gibt es für mich tatsächlich einige zentrale Aspekte, die einen guten und seriösen NLP-Trainer ausmachen. Nachfolgend möchte ich beschreiben, welchen Anspruch ich an meine eigene Zunft der NLP-Trainer habe, und zu was ich mich folglich auch selbst verpflichtet fühle.

1.) Ein guter NLP-Trainer hat seine Methode durchdrungen und weiß, was er tut

Schon mithilfe einiger oberflächlicher NLP-Kenntnisse kann man uneingeweihte Interessenten verblüffen und Wirkungen erzielen. Ein guter und erfahrener NLP-Trainer sollte aber mehr als nur ein paar Psychotricks auf Lager haben. Erst eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie lässt ein tieferes Verständnis davon reifen, was warum wie funktioniert. NLP zu lehren bedeutet Zusammenhänge und Hintergründe aufzuzeigen sowie die Wirkprinzipien hinter den Interventionen verständlich zu machen. Und es bedeutet den Teilnehmern zu vermitteln, was in der NLP-Arbeit den größten Unterschied macht: die richtige Haltung, eine vertrauensvolle Klientenbeziehung, gute Wahrnehmung und handwerklich sauberes Arbeiten.

2.) Ein guter NLP-Trainer respektiert Grenzen und bleibt demütig

NLP ist eine effektive Methode, um die unterschiedlichsten Anliegen elegant und effizient zu bearbeiten. Neben der Möglichkeit, rasche und pragmatische Lösungen für die kleinen Herausforderungen des Alltags zu entwickeln lassen sich mit Hilfe von NLP auch echte Lebensthemen bearbeiten. Jedoch: Für die Klärung psychischer Störungen bedarf es mehr als nur die Teilnahme an einer Practitioner-Ausbildung. Und auch ein langjährig erfahrener NLPler kann unter Umständen mit Herausforderungen konfrontiert werden, bei denen er erst einmal nicht mehr weiterweiß. Die Bereitschaft, Grenzen einzugestehen ist für einen guten NLP-Trainer keine Schande, sondern ein Qualitätsmerkmal.

3.) Ein guter NLP-Trainer nutzt NLP, um Schatten zu bearbeiten und nicht nur, um sie zu kompensieren

NLP ist eine ressourcen- und lösungsorientierte Methode. In einer NLP-Ausbildung kann man viel über die eigenen Stärken erfahren und lernen, wie man diese in schwierigen Situationen auch nutzen kann. Ressourcenorientierung kann einem das Leben sehr erleichtern. Jedoch: „Denk’ Dich reich und erfolgreich“ wird schnell schal und abgestanden, wenn die guten Methoden nur dazu benutzt werden, das Ego zu päppeln und blinde Flecken zu kompensieren. Mit Unterstützung eines erfahrenen NLP- Begleiters ist es jedoch möglich, sich seinen Schatten zu stellen und zu einer integren Persönlichkeit heranzureifen.

4.) Ein guter NLP-Trainer gestaltet erwachsene Beziehungen

Jeder Teilnehmende hat seinen ganz eigenen Weg durch eine NLP-Ausbildung hindurch. Highlights und bahnbrechende Erkenntnisse können zu diesem Weg ebenso dazugehören wie Herausforderungen und Krisen. Ein guter NLP-Trainer hat den individuellen Prozess eines jeden Teilnehmers im Blick. Er ermutigt, fordert heraus, weist auf Optionen hin und hilft über Schwellen. Der Trainer ist Experte für Methode und Prozess, doch der Teilnehmer behält die Hoheit über sein Leben und seine Entscheidungen. Ein guter Trainer nimmt seine Rolle wahr – bleibt gleichzeitig als Mensch wahrnehmbar.

5.) Ein guter NLP-Trainer nutzt NLP auch außerhalb von Ausbildungskontexten

Eine NLP-Ausbildung ist ein Labor, wo im geschützten Rahmen Neues ausprobiert und vielleicht auch die eine oder andere außergewöhnliche Erfahrungen gemacht werden kann. Der Wert einer Methode misst sich aber nicht allein an den Erfahrungen im Seminarraum, sondern vor allem daran, inwieweit sie im echten Leben Bestand hat. Ein NLP-Trainer sollte seine Methode daher nicht nur aus der „Käseglocke“ Ausbildung kennen, sondern deren Nutzen ausführlich „in freier Wildbahn“ erprobt haben. Nur so kann er seinen Teilnehmenden echten Mehrwert für die unterschiedlichen Lebensbereiche aufzeigen und Lerntransfer fördern.

6.) Ein guter NLP-Trainer kennt nicht nur NLP

NLP ist nicht die einzige Methode zur Begleitung von Veränderungsprozessen und schon gar nicht die alleinseligmachende. NLP steht in Tradition und damit auch in Verwandtschaft mit zahlreichen anderen humanistischen Verfahren. Wer NLP vermitteln will, sollte sich auch mit anderen Verfahren auseinandergesetzt haben. Nur so ist es möglich, die Einzigartigkeit von NLP und seine Möglichkeiten und Grenzen differenziert zu erfassen und zu vermitteln.

7.) Ein guter NLP-Trainer lehrt in einer NLP-Ausbildung in erster Linie NLP

NLP ist ein offenes Verfahren und verträgt sich gut mit vielen anderen methodischen Ansätzen. Ein erfahrenen NLPler kann NLP in seinem professionellen Alltag gut in andere Herangehensweisen integrieren. In einer Ausbildung jedoch sollte NLP nicht undifferenziert mit anderen Ansätzen verwurstet werden. Denn nur in der zunächst puristischen Vermittlung wird das Besondere und Einzigartige von NLP verständlich und erfahrbar. Wo NLP draufsteht, sollte auch NLP drin sein. Erst in fortgeschrittenen Fortbildungsstufen, wenn die Lernenden den Geist des NLP verstanden haben, können und sollen Querbezüge zu anderen methodischen Ansätzen ein differenzierteres Verständnis von NLP fördern.


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