Ausbildung in Systemische Aufstellungsarbeit

BrandgänseChristian Rosenblatt im Gespräch mit Albert Glossner

Im Mai 2017 startet ein neues Ausbildungsangebot bei abb-seminare: Eine Ausbildung in Systemischer Aufstellungsarbeit als Advanced NLP-Master. Christian Rosenblatt beantwortet Fragen zu diesem neuen Ausbildungsangebot, das in dieser Form völlig neu auf dem Weiterbildungsmarkt ist.

 

Albert
Christian, unsere Teilnehmer kennen Dich ja vor allem aus den NLP- und Trainerausbildungen. Einige Male haben wir hier bei der abb-seminare aber auch schon Aufstellungswochenenden angeboten. Ich erinnere mich, dass ich Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal von Aufstellungsarbeit von Dir erfahren habe.

Christian
Meine ersten Erfahrungen mit dem Familienstellen, wie es damals meist hieß, habe ich 1995 gemacht. Eine alte Freundin, die als Familientherapeutin tätig war, veranstaltete einen Workshop in München mit Professor Peter Müller-Egloff. Ich machte meine ersten eigenen Aufstellungen und war von Beginn an fasziniert und verblüfft zugleich, welche tiefen Einblicke und Erkenntnisse durch die Arbeit möglich wurden. Danach haben einige sehr grundlegende Veränderungen in meinem Leben stattgefunden, die ganz offensichtlich mit diesen Arbeiten zu tun hatten. Obwohl ich mich vorher schon seit sehr vielen Jahren mit Selbsterfahrung beschäftigt hatte, war diese Erfahrung absolut neu für mich.

Albert
Für diejenigen, die noch keine Erfahrungen mit der Aufstellungsarbeit gemacht haben: Kannst Du in wenigen Worten beschreiben, was eine Aufstellung überhaupt ist und wie sie abläuft?

Christian
Mit Hilfe einer Aufstellung kann man Fragen und Anliegen, die einen systemischen Hintergrund haben, in ihrer Tiefe betrachten und Lösungswege erarbeiten. Ein System kann dabei zum Beispiel eine Familie sein, eine Organisation oder auch Persönlichkeitsanteile; das, was man oft als das „innere Team“ bezeichnet. Derjenige, der das Anliegen hat, wählt aus dem Kreis der Gruppe Teilnehmer aus, die die Systemelemente – also zum Beispiel die nicht anwesenden Teammitglieder – repräsentieren.
Der Klient stellt dann die Repräsentanten im Raum auf. Ganz intuitiv. So wie es seinem inneren Bild entspricht, führt er die Stellvertreter in den Raum. Ohne dass die Teilnehmer miteinander reden, hat diese Konstellation bereits eine sehr starke Wirkung und sagt meist schon sehr viel aus. Die Stellvertreter werden dann nach ihren Gefühlen befragt. Und was sie darüber sagen ist meist sehr erhellend. Oft äußern sie Dinge, die sie eigentlich gar nicht wissen können, aber vom Klienten dann bestätigt werden.

Albert
Wie erklärst Du Dir denn, was da genau passiert?

Christian
In der Tat waren es genau diese unerklärbaren Phänomene, die in der Anfangszeit der Aufstellungsarbeit viele Zweifel an der Methode aufkommen ließen. In den letzten 15 Jahren ist aber dazu ziemlich viel geforscht worden. Man kann mittlerweile noch nicht alle, aber doch einige Wirkprinzipien der Methode erklären. Vor allem konnte aber nachgewiesen werden, dass Aufstellung funktioniert. So sind Aufstellungsseminare heutzutage sogar schon als offizielle Fortbildungsangebote für Ärzte und Psychotherapeuten zugelassen.

Albert
Nochmal zurück zur Methode: Nachdem die Stellvertreter befragt worden sind, wie geht es dann weiter?

Christian
Durch die Äußerungen der Stellvertreter wird oft erst deutlich, wo die Verstrickungen sind und was fehlt. Man kann sagen, das ist der diagnostische Teil. Für die eigentliche Arbeit werden dann zunächst Teilnehmer gezielt umgestellt. Damit werden die Vermeidungsstrategien aufgehoben und oftmals kommen dabei zusätzliche oder tieferliegende Themen ans Licht.
Danach beginnt die Prozessarbeit. Wir lassen die Repräsentanten Wahrheiten benennen, Entschuldigungen aussprechen, Bitten formulieren, fälschlich übernommene „Päckchen“ zurückgeben etc. Das Spannende dabei ist, dass nicht nur die Stellvertreter, sondern alle im Raum Anwesenden meist stark ergriffen sind davon, was da gerade passiert. Das hat wohl damit zu tun, dass bei dieser Art der Arbeit Dinge angerührt werden, die oft ganz grundsätzliche Lebensthemen sind, und mit denen fast jeder Mensch in Resonanz geht.
Die Prozessarbeit geht so lange, bis alle Stellvertreter anzeigen, dass es gut ist, die Themen gelöst sind und Frieden einkehrt. Anschließend kann noch ein Nachgespräch nötig sein, um die konkrete Umsetzung der Ergebnisse mit dem Klienten zu klären.

Albert
Du hast gesagt, dass Du Mitte der 90er Jahre Aufstellungen als Teilnehmer kennengelernt hast. Wo oder wie hast Du denn dann gelernt, selbst Aufstellungen anzuleiten?

Christian
Ja, ich habe 1998 meine NLP-Trainerausbildung in einem Ausbildungscamp gemacht, in der auch eine Aufstellerin dabei war. Georgia Middel, die damals eigentlich auch Teilnehmerin war, hat an freien Abenden gern mal Aufstellungen angeboten. Ich weiß noch: Wir Trainer-Aspiranten waren alle so fasziniert davon, dass wir in den kommenden Jahren bei unseren Peergrouptreffen nichts anderes gemacht haben, als mit Aufstellung herumzuexperimentieren. Dabei habe ich ganz viel gelernt.

Albert
Und wo hast Du Deine eigene Ausbildung gemacht?

Christian
Um mehr darüber zu lernen, habe ich zwei Ausbildungen gemacht: Eine bei Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer. Und die andere im Milton Erickson Institut Berlin. Und dann bin ich immer mal wieder zu den unterschiedlichsten Aufstellern gegangen, um mir aus der Teilnehmerrolle anzuschauen, wie diese arbeiten. Ich habe bei mindestens 20 Aufstellern Arbeiten miterlebt. Das hat mich darin unterstützt, über die Jahre hinweg meinen eigenen Stil zu entwickeln.

Albert
Ab kommendem Jahr bietest Du ja nun selbst hier bei der abb-seminare eine Ausbildung an. Wie kamst Du denn auf die Idee?

Christian
Ich bin immer mal wieder gefragt worden, ob ich das nicht anbieten will. Und ich hab’ dann gesagt: ja, vielleicht irgendwann. (lacht) So richtig überzeugt haben mich dann die Absolventen meiner letzten Coach-Ausbildung im vergangenen Herbst: Die hatten ja im Verlauf der NLP-Ausbildungen auch immer mal Aufstellungen mit mir erlebt und kamen am letzten Ausbildungstag mit einem DIN-A4-Blatt an mit der Überschrift „Anmeldung zur Aufstellungs-Ausbildung 2017“. Darunter standen fast alle Namen mit Unterschriften. Ich hielt das am Anfang für eine nette Geste und war ganz gerührt. Bis ich merkte: Das meinen die ernst! Dem konnte ich mich dann nicht mehr entziehen!

Albert
Du bietest ja nun die Ausbildung als „Advanced Master“ mit DVNLP Zertifikat an. Was war der Grund dafür, einen NLP-Master als Zugangsvoraussetzung zu definieren?

Christian
Als Aufsteller zu arbeiten setzt intensive Selbsterfahrung voraus und auch die Kompetenz, Veränderungsprozesse kompetent begleiten so können. Aus diesem Grund sind die meisten Aufstellungsausbildungen mit 3 Jahren angesetzt.  Wenn sich aber jemand schon 2 bis 3 Jahre im Rahmen von NLP-Ausbildungen mit sich selbst beschäftigt hat und eine gewisse Prozesssicherheit mitbringt, kann die eigentliche Aufstellungsausbildung gut auf ein Jahr verkürzt werden. Auf der Grundlage einer NLP-Master-Ausbildung kann man aber in einem Jahr soweit kommen, dass man selbst eine Aufstellung sicher anleiten kann.

Albert
Aufstellungen und NLP, das sind doch eigentlich zwei unterschiedlich Methoden, oder? Wie kam es denn dazu, dass der DVNLP das Curriculum überhaupt zur Zertifizierung freigegeben hat?

Christian
Zunächst war ich erst mal nur auf der Suche nach einer Zertifizierungsmöglichkeit. Da die schon vorhandenen Interessenten allesamt fortgeschrittene NLP-ler waren, lag es nahe, den Advanced Master anzustreben. In den Vorgesprächen mit den verantwortlichen Stellen beim Verband war aber schnell klar: Das Konzept muss konsequent auf NLP-Herangehensweisen und Vorannahmen basieren. Klar war auch: damit betrete ich absolutes Neuland. So eine Ausbildung gab es bisher noch nie. So habe ich viel gedankliche Arbeit in das Konzept investiert.
Systemische Aufstellungsarbeit und NLP haben ja einige gemeinsame Wurzeln und ich habe immer mehr einen Weg entdeckt, Aufstellungen aus dem NLP-Ansatz heraus zu verstehen und zu beschreiben. Damit ist mir zunächst für mich selbst gelungen, diese beiden Welten zu integrieren. Und davon bin ich selbst grad ganz begeistert.

Albert
Und die Ausbildungskommission des DVNLP hat das Konzept bestätigt?

Christian
Ich hatte die Freigabe innerhalb einer Woche und informell habe ich von denjenigen, die das Konzept zur Begutachtung in der Hand hatten, noch ein paar ziemlich schöne Rückmeldungen bekommen. Das hat mich natürlich sehr gefreut und auch darin bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Albert
… und im Mai 2017 geht’s dann los…

Christian
Genau! Ich freue mich schon sehr darauf und kann’s kaum erwarten.

Albert
Na dann wünsche ich uns zusammen viel Erfolg für das neue Projekt.

Christian
Danke!

 

Weitere Information zu dieser Ausbildung:

https://www.abb-seminare.de/systemischer-nlp-advanced-master-ausbildung.html


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