Das PITT-Modell zur Seminarplanung

von Albert Glossner

Wie strukturiere ich mein Training? Wie baue ich Trainings so auf, dass Lernen nachhaltig wird? Das PITT-Modell ist eine Strukturierungshilfe, die Trainer*innen bei der Planung unterstützt und intensives Lernen ermöglicht.




Das PITT-Modell ist eines der grundlegenden Modelle, die wir in der Trainerausbildung vermitteln. Dabei erhalten wir die Rückmeldung, dass für die meisten Trainer*innen dieses Modell eine wertvolle Unterstützung für ihre Trainingsplanung und für das Design neuer Trainings darstellt.

Das PITT-Modell zur Seminarplanung

Das PITT-Modell zur Seminarplanung setzt voraus, dass bereits Ziele für das Training formuliert sind und eine inhaltliche Grobplanung eines Trainings bzw. Seminares erarbeitet wurde (siehe Blogbeitrag Seminare planen mit der ZIM-Formel).

Danach bietet das PITT-Modell eine gute Möglichkeit, die methodische Feinplanung vorzunehmen.

Es beinhaltet vier Schritte und bietet eine grundlegende Orientierung für den Planungsprozess für Trainer*innen. Mit dem PITT-Modell lassen sich sowohl kürzere Lerneinheiten (45-60 min) strukturieren als auch längere Trainingsabschnitte (1-4 Stunden) planen.

PITT steht für vier Phasen:

  1. Problematisieren
  2. Informieren
  3. Training
  4. Transfer

1. Problematisierungsphase

Hier geht es darum, die Teilnehmer*innen auf das Thema einzustimmen, also Interesse zu wecken und den Nutzen des Themas zu verdeutlichen.

So können in dieser Phase folgende Fragen der Teilnehmer*innen im Mittelpunkt stehen:

  • Was nutzt mir das Thema XY für meinen Alltag?
  • Wie steht das Thema in Beziehung zu den bisherigen Themen des Seminars?
  • Wie wird später damit weitergearbeitet?
  • Überblick: was beinhaltet dieses Thema?
  • Evtl.: Was ist für mich als Lernende*r bei diesem Thema besonders wichtig?

Ziel ist, dass in dieser Phase die Bereitschaft zum Lernen geweckt ist und die Teilnehmer*innen für das Thema motiviert sind, vielleicht auch einen eigenen Lernauftrag formuliert haben.

Als Methoden bieten sich hier beispielsweise an:

Storytelling, kurze Präsentationen, kleine Übungen, “Eye-Opener“-Aktivitäten, Aufgaben, Diskussion, Blitzlicht, kurze Videos…

2. Informationsphase

Hier werden Informationen aufgenommen, eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema findet statt oder bereits vorhandenes Wissen wird neu geordnet.

Im Zentrum der Informationsphase steht die Aufnahme neuer Information. Dies bedeutet aber nicht, dass der Trainer oder die Trainerin zwangsläufig die Inhalte präsentiert und „Stoff vermittelt“. In der Regel ist der Lerngewinn weit höher, wenn es gelingt, die Teilnehmenden in dieser Phase aktiv oder interaktiv zu beteiligen. Meine Empfehlung ist: Alles, was Teilnehmer*innen bereits wissen, braucht der Trainer oder die Trainerin nicht erzählen. Stattdessen ist Aufgabe des Trainers/der Trainerin, zu ermöglichen, dass bereits vorhandenes Wissen mitgeteilt, strukturiert und neu bewertet wird. Dies kann dadurch geschehen, dass die Teilnehmer*innen ihr Vorwissen und ihre Vorerfahrung auf strukturierte Weise in die Erarbeitung der Inhalte einbringen oder dass sich die Teilnehmer*innen wichtige Inhalte selber erarbeiten.

Als geeignete Methoden bieten sich beispielsweise an:

Präsentation, Lehrgespräch, Erarbeitung der Inhalte in Gruppen-/ Partner-/ oder Einzelarbeit, Kartenmethoden zur interaktiven Erarbeitung. (siehe auch Blog Kreative Methoden für die Informationsphase).

3. Trainingsphase

Hier stehen Reflexion, Bewertung, aber auch Üben und Wiederholen der Inhalte im Mittelpunkt.

Je länger, intensiver und häufiger wir uns mit Informationen beschäftigen, desto besser werden sie im Langzeitgedächtnis abgespeichert und umso leichter ist die abgespeicherte Information auffindbar und abrufbar.

Daher ist Grundvoraussetzung für nachhaltiges Lernen, dass genügend Zeit für Bewertung, Wiederholen und Üben von Inhalten eingeplant wird. Um die Anwendung des Gelernten sicher zu stellen, ist es notwendig, bereits im Training die Möglichkeit einzuräumen, die Information zu bewerten, mit eigener Erfahrung zu vergleichen, sie zu wiederholen, zu vertiefen, sich damit auseinanderzusetzen. Nur so kann nachhaltiges Lernen sichergestellt werden.

Geeignete Verfahren in dieser Phase:

Partner- und Gruppenarbeit, Rollenspiel, Lernspiele, Bearbeitung von Aufgaben, Übungen und Texte, Mindmap erstellen, Kärtchen ordnen/strukturieren, praktische Übungen, jede Form der vertieften Auseinandersetzung mit den Inhalten, ….

4. Transferphase

Hier steht die Übertragung, die Anwendung des Gelernten in den eigenen Alltag / die eigene Praxis im Mittelpunkt des Lernens.

Alle Lernvorgänge machen nur dann Sinn, wenn sie auf Alltagssituationen übertragbar sind, also transferiert werden können. Der Transfer muss bereits im Seminar angebahnt werden, damit die Umsetzung am Arbeitsplatz erleichtert wird.

Transferübungen können sein:

Überlegungen zur Anwendung, Rollenspiele und Übungen, Erarbeiten von Checklisten, Problemlöseaufgaben in Einzel- oder Kleingruppenarbeit, Einnehmen verschiedener Perspektiven, Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Widerständen, Gespräche zur Umsetzung/Anwendung, Fallarbeit, etc.

Welche Ansätze gibt es noch?

Auch der Ansatz des Accelerated Learnings (Dave Meier) arbeitet mit einem vergleichbaren Modell der Seminarplanung. Hier werden die vier Phasen so genannt:

  • Planen
  • Präsentieren
  • Praktizieren
  • Produzieren

Auch Sharon Bowman (siehe Blog Training from the Back oft the Room) nutzt ein ähnliches Modell und nennt die vier Phasen aber:

  • Connections
  • Concepts
  • Concrete Practice
  • Conclusions

All diesen Modellen ist gemeinsam, dass ein hoher Wert auf Üben und Anwenden neuer Information bereits im Training gelegt wird. Nur so kann nachhaltiges und wirksames Training erreicht werden.

Auf das PITT-Modell nehmen gleich zwei Module der Trainerausbildung Bezug: Im Modul Seminare leiten lernst du, wie du mit dem PITT-Modell arbeitest und es als Grundlage für ein Trainigsdesign nutzt. Im Modul Zaubern erlebst und erfährst du eine Vielzahl von Methoden für jede Phase des PITT-Modells.

https://www.abb-seminare.de/trainerausbildung.html


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