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Savouring

von Tanja Bakry, 21. Juni 2021

Oder: Wie wir das Leben noch mehr genießen können

Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit der Frage, wie wir als Individuen in unserem Leben aufblühen, unsere Potenziale nutzen und ein zufriedenes und erfülltes Leben führen. Ein Aspekt ist dabei die Fähigkeit des Genießens. Die meisten Menschen kennen das Gefühl, das sich einstellt, wenn wir uns rundum wohlfühlen.

Genießen

Sei es bei einem köstlichen Essen, einer sportlichen Aktivität oder einem entspannenden Bad. Jeder von uns hat verschiedene Bedürfnisse und würde ganz unterschiedliche Dinge wählen, wenn es darum geht, den Moment zu genießen. Es scheint also weniger davon abzuhängen, WAS wir genau tun, sondern vielmehr WELCHE Gedanken wir mit der Tätigkeit verbinden und WIE wir das Gefühl des Genießens zulassen.

In der Positiven Psychologie wird Genuss damit beschrieben, dass wir den Augenblick wahrnehmen, diesen positiv bewerten und die damit einhergehenden positiven Gefühle bewusst auskosten.

Genießen entsteht also durch den Kontakt mit der Außenwelt und das sinnliche Erleben äußerer Reize. Will heißen:

  • Ich SEHE das wunderschöne Bergpanorama
  • Ich HÖRE den Wind, der in den Bäumen rauscht
  • Ich RIECHE das frisch gemähte Gras der Alm
  • Ich SCHMECKE die köstlich erfrischende Apfelsaftschorle und
  • ICH FÜHLE in mir das intensive Gefühl des Glücks

Entscheidend ist, die sinnlichen Eindrücke bewusst wahrzunehmen, sie positiv zu bewerten und das innere Gefühl ganz bewusst und aufmerksam zu erleben.

Neben dem bewussten Genießen des tatsächlich stattfindenden Moments, also des Gewahrseins des Hier und Jetzt, können wir auch die beiden anderen Zeitschienen für das Erleben von Genuss verwenden.

Vergangenheit

Auch die Erinnerung an schöne Momente der Vergangenheit kann uns in eine genussvolle Stimmung versetzen. Wir tauschen dann in die inneren Bilder des damals Erlebten ein und können die Gefühle von damals willentlich herbeiführen.

Wie gehst du dabei vor?

  • Wähle einen für dich genussvollen Moment (es ist dabei unerheblich, ob dieses Erlebnis vor einer Woche oder bereits vor einem Jahr geschehen ist).
  • Schließe die Augen und lasse den Moment ganz bewusst vor deinem inneren Auge erscheinen.
  • Sehe in allen Facetten und Farben diesen Moment erneut in sich aufsteigen. Vielleicht kannst du sogar die Geräusche wie Vogelgezwitscher, Meeresrauschen oder die Stimmen lieber Menschen in deinem Inneren erkennen. Auch ein Geschmack oder Geruch kann mitunter wahrnehmbar sein.

Es ist faszinierend, wie wir auf diese Weise bereits vergangene Erinnerungen und Gefühle erneut entfachen können, obwohl der Moment des tatsächlichen Genusses bereits lange vorüber ist.

Zukunft

„Vorfreude ist die schönste Freude.“ Dies ist nicht nur ein banaler Kalenderspruch, sondern beschreibt unsere menschliche Fähigkeit, bereits im Vorfeld Genuss zu empfinden, obwohl dieser noch gar nicht tatsächlich erlebt ist. Auch hier agieren wir ähnlich wie bei der Vorstellung der Vergangenheit. Wir visualisieren uns ein Szenario der Freude und des Genusses. Vielleicht haben die Bilder eines Urlaubsprospektes bereits eine Vorstellung davon kreiert, was uns auf der vor uns liegenden Reise erwarten wird. Auch hier machen wir uns innere Bilder, wir schmecken bereits das Aroma exotischer Speisen oder leckerer Cocktails, bevor wir es überhaupt erlebt haben. Unglaublich zu welchen Leistungen unser Körper und Geist so alles in der Lage ist.

Achtsamkeit und Dankbarkeit

Zwei wichtige Grundvoraussetzungen und Schwerpunkte der Positiven Psychologie für das Genießen:

Achtsamkeit

Unabhängig davon, ob ich tatsächlich gerade den Genuss erlebe oder mir etwas aus der Vergangenheit oder in der Zukunft visualisiere, das Maß an Achtsamkeit, mit der ich das tue, ist entscheidend. Werde ich durch störende Gedanken und Bewertungen abgelenkt, ist der Genuss schnell dahin oder zumindest getrübt.

Dankbarkeit

Bewerte ich das, was ich gerade erlebe als selbstverständlich werde ich kaum in der Lage sein, den Genuss wirklich zu fühlen. Die Dinge, die ich als genussvoll erlebe, immer wieder als etwas Besonderes anzuerkennen und dankbar dafür zu sein, ist bereits der halbe Genuss.

Genuss und Glück in der Balance

Doch „la dolce vita“ allein ist nur der halbe Weg zum Glück. Scheinbar braucht es noch etwas anderes, um unser Empfinden wirklicher Glücksgefühle und tiefgreifender Zufriedenheit komplett zu machen.

Neben dem beschriebenen sinnlichen Genuss, der aus Sicht der Positiven Psychologie zum sogenannten hedonistischen Glück führt, braucht es als Ausgleich eine zweite Komponente. Es geht darum, unser Handeln im Leben als sinnstiftend zu empfinden.

Das sogenannte eudaimonische Glück entsteht, wenn wir in unseren Tätigkeiten unsere Talente und Stärken einbringen können und wir unser Handeln in den Dienst von etwas stellen, das größer ist als wir selbst bzw. dem Wohle anderer oder des Planeten dient.

Ist unsere Fähigkeit des Genießens und das Erleben von Sinn in unserem Leben in der Balance, sprechen wir von einem erfüllten und aufblühenden Leben. Und auf dem Wege dorthin hat die Positive Psychologie eine Vielzahl von Anregungen, Übungen und Werkzeugen zu bieten.

Übung: Der Genuss-Spaziergang

Genieße einen genussvollen Spaziergang in deinem näheren Umfeld, wenn möglich in der Natur. Lass das Handy zu Hause und konzentriere dich bei deinem Spaziergang ganz auf deine Sinne und damit automatisch auf das Hier und Jetzt.

  • Konzentriere dich zuerst auf deinen Sehsinn, was kannst du ganz aus der Nähe (z. B. Blüten, Gräser) beobachten, was siehst du weiter vor dir und kannst du auch einen ferne Horizont erkennen? Nimm das alles ganz bewusst wahr!
  • Vielleicht gibt es eine Stelle an einem Bach, an der du innehalten und die Augen schließen kannst. Konzentriere dich nun ganz auf deinen Hörsinn. Welche unterschiedlichen Geräusche kannst du nah und fern wahrnehmen?
  • Wechsel dann zu deinem Tastsinn, nimm wahr, was du spüren kannst. Der Grund auf dem du stehst, vielleicht die Sonne auf der Haut oder den Wind im Haar. Nimm es bewusst wahr. Sollten auch Gerüche vorhanden sein, genieße auch diese!
  • Entscheidend ist, den Fokus auf der Wahrnehmung zu belassen, Bewertungen und Gedanken lässt du vorbeiziehen. Komm immer wieder auf deine bewusste Wahrnehmung zurück.

Dies ist eine wundervolle Übung, um den jetzigen Moment zu genießen, grüblerische Gedanken zu beruhigen und in die innere Mitte zu kommen.

Viel Freude beim Ausprobieren!

Weitere Übungen und Interventionen aus der Positiven Psychologie lernst du in unseren Ausbildungen kennen. Klicke hier, um mehr zu erfahren.

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