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Online Trainertipp: Präsentieren mit Legetechnik

von Marion Kellner Lewandowsky, 19. April 2021

In meinen Onlineseminaren nutze ich zum Vermitteln kurzer knackiger Inhalte gern die Legetechnik als analoge Präsentationsmethode. Durch das Ins-Bild-Schieben und Wieder-Entfernen gut visualisierter Inhalte entsteht eine Präsentation, die einem Erklärfilm ähnelt und Aufmerksamkeit anzieht. Bei dieser Technik werden Lerninhalte zu einem Thema auf Papierschnipseln oder kleinen Karteikarten nach und nach unter die Kamera geschoben und sortiert, während ich als Erklärende die Inhalte „aus dem Off“ kommentiere.

Die Vorteile

Die Vorteile der Legetechnik bestehen in

  • der schnellen und einfachen Vorbereitung der Inhalte auf A4-Papier (statt auf großflächigen Formaten wie im Präsenztraining),
  • der einfachen, analogen Handhabung und dem nahbaren handgemachten Charakter der Präsentation,
  • der Wiederverwendbarkeit der Inhalte sowie
  • der einfachen Lagerung (wie unten beschrieben).
     

Die Nachteile

  • Je nach Anspruch kann als Nachteil eine mangelnde Professionalität benannt werden. Noch nicht jede*r kann optisch schöne Visualisierungen gestalten, auch wenn dies (zum Beispiel in unserem Workshop Flipchartgestaltung) schnell und einfach erlernt werden kann.
  • Auch können komplizierte und umfangreiche Inhalte nicht gut mit dieser Technik vermittelt werden. Hier ist darauf zu achten, nicht zu stark zu vereinfachen.

Für alle kurzen, knackigen und didaktisch gut reduzierten Inhalte ist die Legetechnik aber ein guter Weg, um Abwechslung in die Präsentation zu bringen.
 

Wie geht’s?

Technisch benötigt man für die Umsetzung der Legetechnik eine zweite Kamera, die auf den Arbeitstisch ausgerichtet ist, sowie Papier, Stifte, eine Schere und ein wenig Visualisierungsgeschick.

Als Kamera nutze ich hierbei meine gute und zuverlässige Jourist DC80 Dokumentenkamera, die A4 und A3 Formate gut anzeigen kann. Diese ist auf eine Arbeitsunterlage - zumeist einem farbigen A3 Karton - ausgerichtet, auf dem ich händisch meine Inhalte platziere.

Die Inhalte habe ich vorab meist auf einfachem weißem Kopierpapier angelegt. Beim Visualisieren und Zeichnen ist es gut, einen dickeren Stift zu verwenden, welcher später in der Kameraübertragung gut zu sehen ist. Hierfür eignen sich Filzstifte. Die Flipchartmarker erscheinen mir in der Strichstärke bei der Legetechnik ungeeignet. Lieber setze ich hier meinen geliebten „Edding 1255 calligraphy pen“ ein.

Wichtig ist es, dass die Inhalte auf wenige Schlagworte und Wortgruppen didaktisch reduziert sind, wie man dies auch in einer guten Folienpräsentation anlegen würde. Denke immer daran: Die Visualisierung geht nicht ohne dich zur Präsentation! Du darfst auch noch einen Teil auf der Tonspur präsentieren.

Die ausgewählten Stichworte und Satzgruppen werden einzeln auf dem Papier aufgeschrieben und können mit Textcontainern oder Rahmen betont werden. Jede logisch zusammengehörende Informationseinheit (bspw. eine Satzgruppe oder ein Wort) wird einzeln ausgeschnitten. Dadurch können die Informationseinheiten später nach und nach ins Bild gelegt und auch wieder entfernt werden.

Ich ergänze die Informationseinheiten gern mit passenden Symbolen oder Visualisierungen, um den Erinnerungseffekt noch zu erhöhen. Auch diese werden separat ausgeschnitten.

Wenn alle Inhalte erstellt und bereit sind, überlege ich mir meinen Ablauf der Präsentation. Was sage ich wann und welche Karten lege ich dazu ins Bild, welche bleiben liegen und welche nehme ich wieder weg?

Hier ist es wichtig, einen guten Ablauf zu finden und diesen auch zu üben. Es empfiehlt sich nicht, zu viele Inhalte auf einmal ins Bild zulegen. Auch sollten die Inhalte nicht zu kurz gezeigt und zu schnell wieder entfernt werden. Zu viele Inhalte im Bild können den Zuschauer irritieren. Jedes Wort einzeln ins Bild zu legen und gleich wieder zu entfernen, verhindert einen guten Gesamtblick.
 

Der Ablauf

Beispielhaft hier mein Ablauf der Präsentation des PITT-Modells, welchen ich so im Modul Seminare leiten der Trainerausbildung und im Workshop Online Methoden kompakt einsetze:

1. Schritt: Ich moderiere in die Frontkamera an, dass ich jetzt das PITT-Modell vorstelle.

2. Schritt: Ich stelle meine Kamera um und lege die vier einzelnen Buchstaben P, I, T und T ins Bild. Da es meist Teilnehmer*innen gibt, die das Modell schon kennen, lasse ich diese gern die Bedeutung der Buchstaben benennen.


3. Schritt: Ich lege zu den jeweiligen Buchstaben jeweils das Wort dazu: P – Problematisieren, I – Informieren, T – Trainieren, T – Transferieren. Ich erläutere dann, ohne zunächst weitere Inhalte dazuzulegen, dass das PITT-Modell zur Strukturierung von Lerneinheiten geeignet ist und hilft, Lerneinheiten unter Berücksichtigung der neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zu planen.

4. Schritt: Ich entferne alle Inhalte und erkläre, dass ich jetzt kurz jede Phase vorstelle.

5. Schritt: Ich lege das P und das „Problematisieren“ nochmal hin und erläutere, wozu diese Phase dient, was sie bewirkt und wie man sie beispielhaft methodisch gestalten kann. Dazu lege ich weitere bildhafte Visualisierungen und/oder Stichworte dazu. Ich frage nach und, wenn alles klar ist, entferne ich alle Inhalte der Phase P.


6.-8. Schritt: Ich gehe ebenso bei der Präsentation der Phasen Informieren, Trainieren und Transfer vor.


9. Schritt: Ich lege nochmal die vier Buchstaben P, I, T und T ins Bild und fordere zum Nachfragen auf.


10. Schritt: Ich stelle die Kamera wieder auf die Frontkamera um, so dass ich wieder im Bild bin.

Nach Beendigung der Legetechnik-Präsentation packe ich alle Wortkärtchen und Bildchen in ein einmal gefaltetes A4-Papier. Dieses beschrifte ich mit dem Namen des Modells und stecke es in eine Prospekthülle. So kann es gut in meinem Materialordner bis zum nächsten Einsatz gelagert werden.

Mein Tipp: Probiere es einfach mal aus. Wenn du deine Minipräsentation beim Üben aufnimmst, kannst du dir die Wirkung gut im Nachgang allein oder mit Kolleg*innen anschauen.

Dir ist noch etwas unklar? Dann schreibe mir gern oder erlebe mich live im Workshop Online Methoden.
 

Herzliche Grüße

Marion

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