Auftragsklärung im Coaching mit dem Modell der „Logischen Ebenen“

NLP-Methoden

von Christian Rosenblatt

„Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, wirst du jedes Problem als Nagel betrachten.“ (Mark Twain). Wenn du jedoch – wie am Ende einer NLP-Practitionerausbildung – eine ganze Werkzeugkiste zur Verfügung hast: Wie gelingt es dir, das passende Tool zu finden? Das Modell der „Logischen Ebenen“ ist eine nützliche Methode zur Klärung, auf welche Weise ein Anliegen betrachtet werden kann.


Seit über 30 Jahren bin ich als Therapeut, Coach, Trainer und Berater tätig und begleite seither Menschen, Teams, Organisationen und Familien bei Veränderungsprozessen. Meist kommt der erste Kontakt per Telefon oder Mail zustande und endet in der Regel mit einer Terminvereinbarung für ein erstes persönliches Treffen. In dem darauffolgenden Erstgespräch versuche ich mir zunächst einen Überblick darüber zu verschaffen, wo der Schuh drückt und was das Ziel der gemeinsamen Arbeit sein soll.

Das Anliegen als Produkt von Interaktion

Immer wieder stelle ich fest, dass Klienten zu Beginn der Auftragsklärung nur beschreiben können, was sie nicht mehr wollen. Die meisten von ihnen haben gleichzeitig nur wenig oder nur diffuse Vorstellung davon, welchen Entwicklungsprozess sie sich überhaupt wünschen. Das Herausarbeiten des Anliegens ist somit ein erster wichtiger Schritt. Es dient nicht nur mir als Berater zur Planung meines Vorgehens, sondern ist per se schon die erste wichtige Intervention für den Klienten selbst. Denn die Klärung des Anliegens hilft ihm dabei, sich selbst und seine Situation besser verstehen und reflektieren zu können und gibt ihm Klarheit über den einzuschlagenden Weg und die anstehenden Entscheidungen.

Doch wie gestaltet sich dieser Klärungsprozess? Manche Klienten glauben, dass sie beim Erstgespräch zunächst einer Art Anamnese oder Problemanalyse unterzogen werden und der Berater dann aufgrund seiner Erfahrung und Expertise die eine und einzig richtige Behandlungsmethode auswählt. Die Betrachtung des Anliegens und die damit verbundene Klärung des Auftrags ist vom ersten Moment an jedoch eine Interaktion zwischen Klient und Berater und wird zwischen den beiden implizit ausgehandelt. Die Fragen, die ich meinem Klienten stelle, beinhalten und transportieren bereits meine Sichtweisen als Coach. Und die Art und Weise, wie mein Klient auf meine Fragen und Statements reagiert, verrät mir, welche meiner Annahmen geteilt, und welche zurückgewiesen werden. So klärt und gestaltet der Klient mit mir gemeinsam seine Intension für die anstehende Veränderung. Meine Aufgabe als Coach ist dabei die eines „Realitätenkellners“ (Gunther Schmidt). Ich mache verschiedene Angebote darüber, wie sich das Anliegen betrachten lässt, und der Klient wählt die für ihn passendste aus.

Dimensionen von Anliegen

Genau genommen ist das Erstgespräch also ein engagiertes Ringen und Verhandeln darüber, welche Sicht und Herangehensweise für den Klienten die aktuell hilfreichste und attraktivste ist. In diesen Prozess fließen zahlreiche Faktoren und Fragestellungen ein. Diese könnten zum Beispiel sein:

  • Wie schnell müssen wahrnehmbare Ergebnisse vorliegen?
  • Wer – außer dem Klienten selbst – ist von den Ergebnissen betroffen?
  • Gibt es Erwartungen Dritter an den Veränderungsprozess und wenn ja – wie wollen wir damit umgehen?
  • Was ist der mögliche Preis der Veränderung? Und: Ist der Klient bereit und in der Lage, diesen zu zahlen?
  • Welche zeitlichen und finanziellen Ressourcen stehen für die Begleitung zur Verfügung?
  • Sollte das Anliegen isoliert betrachtet werden oder ist der Klient auch bereit, sich anderweitig hinterfragen und konstruktiv verstören zu lassen, wenn es einer ganzheitlicheren und nachhaltigeren Veränderung dient?

Seit vielen Jahren nutze ich zur Klärung und Reflexion von Klientenanliegen das Modell der „Logischen Ebenen“. Robert Dilts, einer der kreativsten Entwickler des NLP, beschreibt darin, auf welchen Entwicklungsebenen sich menschliches Lernen vollziehen kann. Dilts stellt unter anderem folgende Ebenen des Lernens heraus:

Verhalten:

Fragestellung: Was genau muss ich in einer speziellen Situation tun, damit es anders und besser wird?
Beispiel: Erarbeiten und Einüben von Verhaltensmustern, um einen aufgebrachten Kunden wieder zu beruhigen.

Fähigkeiten /Strategien:

Mögliche Fragestellung: Welche Fähigkeiten muss ich entwickeln, um mit einer bestimmten Situation anders umgehen zu können?
Beispiel: Als Führungskraft lerne und trainiere ich die Fähigkeit, einen Mitarbeiter durch Fragen so zu führen, dass er selbst auf eine für ihn passende Lösung kommt.

Werte und Überzeugungen:

Mögliche Fragestellungen: Was ist mir wirklich wesentlich? Wie schaffe ich es, meine Werte zu leben und die der anderen zu achten? Welche einschränkenden Glaubenssätze und Vorannahmen stehen mir im Weg?
Beispiel: Ich weiß, worauf ich achten muss, damit ich wirklich befriedigende Beziehungen und Freundschaften ermögliche.

Selbstverständnis und Identität:

Mögliche Fragestellungen: Was ist mein Platz in der Welt? Wer oder was bin ich, wenn ich das tue? Wie bringe ich das zum Ausdruck?
Beispiel: Ich habe eine Idee davon, was noch von mir bleibt und vielleicht neu möglich wird, auch wenn sich mein Partner von mir getrennt hat.

Konsequenzen guter Auftragsklärung

Eine gute Auftragsklärung beinhaltet also auch, eine Vereinbarung darüber zu schaffen, auf welcher „Logischen Ebene“ Berater und Klient das Anliegen betrachten. Je nachdem, wie wir uns finden, werden die Methoden, Herangehensweisen und natürlich auch die Ergebnisse unterschiedlich sein.


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