Kleingruppen einteilen – Vielfalt ist besser als Einfalt!

gruppen einteilenvon Dorit Häuser

Die Arbeit in Kleingruppen ist weit verbreitet.
Doch wie kann ich Gruppen einteilen und was ist wann sinnvoll?

Es gibt unzählige Varianten, das Plenum in Kleingruppen einzuteilen.
Dahinter stehen 4 Prinzipien.

 

Die Vorteile der Vielfalt

Es lohnt sich, hier ein wenig Phantasie und Kreativität walten zu lassen:

  • So wird die Gruppeneinteilung zur willkommenen Abwechslung zwischen viel Input.
  • Die Teilnehmenden werden aktiviert.
  • Der Kontaktaufbau zwischen den Lernenden wird gefördert.
  • Inhaltiche Bezüge können hergestellt werden.
  • Die Teilnehmer haben Spaß miteinander.
  • All das zusammen fördert die Lernatmosphäre.

4 Prinzipien der Gruppeneinteilung

Den vielfältigen Möglichkeiten der Gruppeneinteilung liegen 4 Prinzipien zugrunde:

  1. Zufall
  2. Nachbarschaft
  3. Kriterium
  4. Wahl

1. Zufall

Hier eröffnen sich die meisten Optionen und die größte Kreativität. Der Trainer kann im Vorfeld perfekt steuern, wieviele Gruppen mit wievielen Mitgliedern sich ergeben. Perfekt ist übrigens eine Gruppengröße von 3 bis 5 Personen. Diese Art der Gruppenbildung führt dazu, dass auch Menschen zusammen an einem Thema arbeiten und sich kennen lernen, die sich sonst eher aus dem Weg gehen würden.

Beliebt sind:

Das Ziehen von Spielkarten
(Skat, Quartett, Sammelkarten)
Bei Skat-Karten kann immer wieder neu geregelt werden, wer zusammen gehört – alle roten, alle roten Zahlen, alle Damen, alle mit einer 5, … Auch Paar lassen sich hierdurch leicht bilden.
Tipp: besonders gut eignen sich die ganz großen Spielkarten, fast im Format A5 (eigentlich für Senioren angeboten)

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Das Ziehen von diversen  Dingen,
etwa Süßigkeiten, Bilder-Puzzle-Teilen, Satzteile von Sprüchen oder geflügelten Worten, Spielfiguren, Klapperdöschen (verschieden gefüllt), verschiedene Flaschen-Verschlüsse, Bierdeckel, …
Die Gegenstände werden aus einem schönen Behältnis gezogen, das nicht einzusehen ist (Samtbeutel z.B.). Papier- oder Bild-Teile hält der Trainers verdeckt in der Hand, geht reihum und lässt jeden Teilnehmer ein Teil ziehen. Was auch schön ist: im Vorfeld oder in der Mittagspause die Gegenstände unter die Stühle kleben und dann an entsprechender Stelle die Teilnehmer bitten, dorch mal unter ihren Stuhl  zu schauen. Die meisten Teilnehmer schätzen es sehr, wenn solch kleine Dinge für sie vorbereitet sind.

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Das Ziehen von Bindfäden
Dazu werden die Fäden mittig in der Hand gehalten und jeder wählt sich ein Ende. Die Mitte der Fäden wird nun losgelassen und jeder kann schauen, welchen Partner er am anderen Ende des Fadens hat. Mit spezieller Verknotung ergeben sich auch 3er oder 4er Gruppen.

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Das Aufstellen in einer Reihenfolge
Die Teilnehmer sortieren sich im Raum in einer Reihe, z.B. aufsteigend nach Geburtstag und Monat im Jahresverlauf (Beginn ist der 1. Jan. und Ende ist der 31. Dez., dazwischen positionieren sich die Teilnehmer) oder nach aufsteigender privater Hausnummer oder nach Postleitzahl oder nach Quersumme der eigenen Telefonnummer oder alphabetisch nach Vornamen … und dann Gruppen bilden: die ersten 3 Personen, die nächsten 3 Personen, … sind jeweils eine Arbeitsgruppe.

Das Ziehen von Stiften
Diese Variante bietet sich auch an, wenn die Vorbereitung der Gruppeneinteilung einmal versehentlich vergessen wurde. Moderationsmarker haben Trainer eigentlich immer zur Hand. Einfach für jede Arbeitsgruppe gleichfarbige Stifte wählen und alle Stifte dann so in die Hand nehmen, dass die farbigen Enden von den Teilnehmern nicht gesehen werden können. Jeder zieht einen Stift und weiß über die Farbe, wer zu seiner Gruppe gehört.

Das Ziehen einer konkreten Verhaltensaufforderung
Die Teilnehmer ziehen verdeckt Karten und darauf befindet sich eine Verhaltens-Anweisung, z.B. wie jemand zu begrüßen ist – durch einmaliges oder zweimaliges oder dreimaliges Handschütteln.  Gleiches Verhalten führt die Gruppenmitglieder zusammen.

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Alle Varianten lassen sich natürlich so verändern, dass sie einen Bezug zum Thema herstellen. Gerade Teilnehmer, die solch kreative und spielerische Dinge wenig gewohnt sind, lassen sich dann leichter auf diese aktivierenden Elemente ein.

Ich kenne viele Trainerkollegen, die die Aktivitäten zur Gruppen-Einteilung nutzen, um sich selbst eine Freude zu machen oder sich in einen guten Zustand zu bringen. Und das passiert z.B., wenn eigene alte VW-Quartett zum Einsatz kommt, die zerschnittenen Bilder aus der eigenen Kamera stammen oder Satzteile von Sprüchen gezogen werden, die einem selbst wichtig sind.
Und was den Trainer fröhlich stimmt, ist auch gut für die Teilnehmer.

Weniger phantasievoll, aber ebenso sinnvoll:

2. Nachbarschaft

„Bitte arbeitet doch gleich so zusammen wie Ihr sitzt!“

Das geht sehr schnell, braucht keine Vorbereitung und wird sofort akzeptiert. Zu Beginn eines Seminars ist das aus meiner Sicht nicht die Methode der Wahl zur Gruppenbildung. Denn sehr oft sitzen zu Beginn die Teilnehmer beisammen, die sich ohnehin schon kennen. Eine förderliche Lernatmosphäre lebt davon, dass möglichst viele mit vielen anderen gut arbeiten können…

3. Kriterium

Worin unterscheiden sich die Teilnehmer?

In heterogenen Gruppen kann es sinnvoll sein, genau mit diesem Unterschied zu arbeiten und ihn gezielt zu nutzen. Die Arbeitsgruppen werden also bewusst nach bestimmten Kriterien oder Eigenschaften zusammengestellt. Zum Beispiel, dass in jeder Arbeitsgruppe min. 1 Vertreter aus der Logistik ist oder dass in der Arbeitsgruppe nur Vertreter aus der gleichen Abteilung sind. Hier wäre das Kriterium die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Abteilung. Denkbar wäre auch geringe / viel Berufserfahrung, hohes / geringes Vorwissen in einer Sache, …

4. Wahl

Die Wahl kann sich auf das Thema oder die Mitglieder der Gruppe beziehen.

Werden sehr persönliche Themen bearbeitet, kann es hilfreich sein, dass man sich die Gruppenmitglieder selbst auswählt, ganz nach Sympathie oder Vertrauen.

Stellen Sie als Trainer verschiedene Themen zur Wahl, werden sich die Lernenden da zuordnen, wo das höchste Interesse liegt. Das kann eine gute Arbeitsgrundlage sein. Womöglich werden jedoch nicht alle der angebotenen Themen gewählt. Drauf muss man vorbereitet sein.

Fazit:

Der gezielte Einsatz von unterschiedlichen Varianten zur Gruppenbildung bringt Abwechslung und Farbe ins Training und wechselnde Arbeitsgruppen fördern das Lernklima und die soziale Kompetenz der Teilnehmenden.

Das Thema Gruppen-Einteilung und die Struktur erfolgreicher Gruppenarbeit sind Teil des Trainer-Moduls „Seminare leiten„.


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