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Studie: Was bewirkt die Auseinandersetzung mit der Positiven Psychologie?

von Albert Glossner, 03. März 2026

Die meisten Studien zur Wirkung der Positiven Psychologie beschäftigen sich mit der Wirkung Positiv Psychologischer Interventionen. Ein Forscherteam hat sich 2025 die Frage gestellt, was eine intensive Auseinandersetzung mit Themen der Positiven Psychologie und deren Interventionen langfristig im Leben von Menschen bewirkt.

Dazu wurden mit 22 Personen Interviews durchgeführt, die sich über ein Studium intensiv mit Positiver Psychologie auseinandergesetzt hatten und bereits über langjährige Erfahrung in der Anwendung Positiver Psychologie verfügen. Die Absolventen wurden befragt, wie sie Positive Psychologie in verschiedenen Lebensbereichen anwenden, was sie am wertvollsten finden und welche Veränderungen sie an sich selbst beobachten.

Das Ergebnis ist, dass langfristig nicht die Anwendung bestimmter Interventionen am bedeutsamsten ist, sondern eine Veränderung des Mindsets. Die Autoren bezeichnen dies als „Meliotropic Wellbeing Mindset“. Ich würde dies übersetzen als ein „Besseres Leben Mindset“. Sie beschreiben dieses Mindset als intrinsisch motivierten Ansatz, der das Wohlbefinden dadurch steigert, dass für unterschiedliche Situationen jeweils passende und für die Person stimmige Denk- und Verhaltensweisen in das alltägliche Leben integriert wurden.

Aus den Daten – so die Autoren - haben sich insbesondere fünf Themen herauskristallisiert, die Ausdruck der veränderten Denkweise sind und ein „Besseres Leben Mindset“ kennzeichnen:
(1) Ausgerichtetes Leben, (2) Wohlbefindenshygiene, (3) Selbstakzeptanz, (4) Embodiment und (5) Bewusstheit für das Umfeld. Im Einzelnen:

Ausgerichtetes Leben

Die Absolventen beschreiben, dass sie verschiedene Positiv Psychologische Interventionen (PPI) eine Zeitlang durchgeführt haben, diese auch als wertvoll betrachten. Sie empfehlen sie gerne weiter bzw. nutzen sie in ihrem jeweiligen professionellen Kontext. Für sich selbst ist die Anwendung der Interventionen aber in den Hintergrund getreten. Stattdessen beobachten sie, dass eine eher grundsätzliche Ausrichtung des eigenen Lebens am Wohlbefinden erfolgt und sie automatisch, je nach Situation bestimmte Elemente der Positiven Psychologie für sich nutzen.

Wohlbefindenshygiene

Die Absolventen berichten, dass sie bestimmte, kleine Handlungen in ihr Leben integriert haben, die zu einer Steigerung ihres Wohlbefindens beitragen. Diese haben nicht mehr den Charakter von Übungen, sondern sind als Gewohnheiten in das Leben integriert. Beispiele dafür sind

  • bewusste Zubereitung von Essen,
  • sich zu engagieren für Dinge, die einem wichtig sind,
  • kreativ zu sein oder
  • regelmäßige Übung von Achtsamkeit
    Diese kleinen Aktivitäten sind in das Leben integriert und führen kontinuierlich zu einer Steigerung des Wohlbefindens.

Selbstakzeptanz

Die Teilnehmenden berichteten, dass sie sich zunehmend mit sich selbst wohl fühlen. Dies bedeutet, eigene Schwächen zu akzeptieren und mit Schwierigkeiten zurecht zu kommen, sei es in Bezug auf Gesundheit, Beziehungen oder Lebensumständen. Sie streben nicht mehr nach ständiger Positivität oder Perfektheit. Stattdessen lernten die Teilnehmer, emotionale Tiefpunkte zu akzeptieren, ihre „Schattenseiten“ zunehmend anzunehmen und Fehler als Teil der menschlichen Erfahrung zu akzeptieren. Und dies wird als etwas Befreiendes erlebt.

Embodiment

Mit Embodiment ist eine gesteigerte Bewusstheit dafür gemeint, wie eng Körper und Geist miteinander verbunden sind. Bewegung, Ernährung, Schlaf und Verbindung zur Natur werden als elementarer Beitrag zum psychologischen Wohlbefinden erlebt. Entsprechende Gewohnheiten sind zunehmen Teil des alltäglichen Lebens geworden.

Bewusstheit für das Umfeld

Teilnehmende berichten über eine größere Sensibilität, wie ihr Umfeld (sowohl die reale Umgebung als auch das soziale Umfeld) ihr eignes Wohlbefinden beeinflusst. Viele haben Entscheidungen darüber getroffen, wo sie wohnen, mit welchen Menschen sie mehr Zeit verbringen, haben ungute Arbeitssituationen verlassen oder gelernt, eigene Grenzen klarer zu setzten.
Gleichzeitig berichten sie von einer gesteigerten Aufmerksamkeit dafür, wie sie ihr Umfeld positiv beeinflussen können. Sie beschreiben, wie sie durch eigene Positivität, Resilienz und Selbstmitgefühl ihr Umfeld (Freunde, Arbeitskollegen, Familie, Gemeinschaften) positiv inspirieren. Und dies schließt die Verbindung zur Natur und eine gesteigerte Verantwortung für das Wohlergehen von Natur und Umwelt mit ein.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse zeigen, wie Anwender und Experten der Positiven Psychologie ihr Wissen in den eigenen Alltag integrieren. Dabei wird in langfristiger Hinsicht die Durchführung bestimmter Interventionen oder Übungen weniger wichtig. Zunehmend bedeutsam wird stattdessen ein bestimmtes Mindset, das die Ausrichtung zu einem besseren Leben im Denken und Handeln unterstützt.
Diese Beobachtung, so die Autoren, legt einen veränderten Fokus darauf, auf welche Weise die Positive Psychologie einen Beitrag zum Aufblühen von Personen leisten kann.

Meine Bewertung

Ich fand diese Studie sehr interessant. Sie beschreibt im Grunde auf passende Weise, wie ich selbst die Wirkung der Auseinandersetzung mit der Positiven Psychologie bei mir selbst beobachtet habe. Und meine Beobachtung einer Vielzahl von Teilnehmenden geht in eine ähnliche Richtung.
Persönlich finde ich es besonders spannend zu erleben und dazu beizutragen, wie sich bei vielen Teilnehmenden im Laufe der Ausbildung eine innere Ausrichtung entwickelt, die geprägt ist von Positivität, einem freundlicheren Umgang mit sich selbst, größerer Achtsamkeit und einer Bewusstheit über die Vernetztheit im eigenen Umfeld. Dies klarer beschreiben zu können und dies auch bewusst als Ziel der Ausbildung zu definieren, ist mein persönlicher Gewinn der Auseinandersetzung mit dieser Studie.

Referenz

Burke, J., Giraldez-Hayes, A., & Dunne, P. J. (2025). Meliotropic wellbeing mindset: a catalyst for sustaining long-term wellbeing. Frontiers in Psychology, 16, 1637864.

Ausbildung zum Anwender*in Positive Psychologie (Level 1 DACH-PP)

Die Ausbildung bietet dir einen tiefen Einblick in alle zentralen Themenbereiche der Positiven Psychologie. Du setzt dich mit Konzepten, Interventionen und Forschungsergebnissen auseinander. Du erlebst vielfältige praktische Übungen der Positiven Psychologie. Das intensive Erleben unterstützt dich in deinem eigenen Aufblühen und ermöglicht dir, deren Wirkung genauer einzuschätzen und sie gezielt in deinem jeweiligen beruflichen Arbeitsfeld einzusetzen. All dies unterstützt dich darin, Positive Psychologie auf fundierte und wirkungsvolle Weise in deiner Arbeit mit Menschen anzuwenden.

Auf dem Bild ist ein Flipchart mit der Aufschrift "Positive Psychologie" zu sehen. Die Aufschrift ist gelb eingerahmt. Unterhalb vom Text sind selbstgezeichnete Seerosen zu sehen.
Portrait Albert Glossner


Über den Autor

Albert Glossner ist Diplom-Psychologe, Trainer und Geschäftsführer der abb-seminare. Seit 2017 ist er zertifizierter Ausbildungstrainer Positive Psychologie und bietet seitdem Ausbildungen in Positiver Psychologie, zertifiziert durch DACH-PP an.

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