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Messe und Galerie: Auswertung nach Gruppenarbeit aktiv gestalten

von Albert Glossner, 15. März 2019

Standard in fast jedem Training: Mehrere Gruppen erarbeiten arbeitsteilig Inhalte, visualisieren diese auf ein Flipchart und präsentieren sie anschließend. Messe und Galerie sind zwei Methoden, mit denen die Auswertungsphase nach Gruppenarbeiten aktiver, kürzer und effektiver gestaltet werden kann.

Die Auswertung nach Gruppenarbeiten

Die Auswertung ist ein notwendiger Bestandteil von Gruppenarbeiten. Insbesondere bei größeren Seminargruppen oder Gruppenarbeiten mit drei oder noch mehr Kleingruppen ist die Gefahr sehr groß, dass sie lang oder im schlechten Fall gar langweilig wird.

Bei arbeitsgleicher Gruppenarbeit (alle Gruppen haben die gleiche Aufgabe) empfehle ich, dass nur eine Gruppe ihr Ergebnis präsentiert und dann nur noch abweichende oder zusätzliche Ergebnisse präsentiert oder ausgewertet werden.

Aber was ist mit arbeitsteiliger Gruppenarbeit (jede Gruppe hat eine andere Arbeitsaufgabe)? Häufig wird diese Form der Gruppenarbeit genutzt, wenn beispielsweise ein Themengebiet in verschiedene Teilgebiete aufgeteilt wurde und jede Kleingruppe ein anderes Teilgebiet bearbeitet. Hier besteht die Notwendigkeit, dass die Teilnehmer*innen über die Ergebnisse der jeweils anderen Gruppen informiert werden.

Wie kann dies abwechslungsreicher gestaltet werden?

Messe

Hier gestalten die Teilnehmerinnen einer Gruppe mit ihren Ergebnissen jeweils einen eigenen „Messestand“. Dieser „Messestand“ kann entweder eine kleine Fläche auf dem Boden sein, auf dem die beschriebenen Moderationskarten ausgelegt werden oder auch ein Flipchart oder eine Pinnwand, die im Rahmen der Gruppenarbeit erarbeitet und gestaltet wurde.

Nachdem die Gruppen ihre Ergebnisse aus der Arbeitsphase als Messestand im Raum verteilt, ausgelegt oder aufgehängt haben, bitte ich alle Gruppen, sich zu ihrem Messestand zu stellen und erläutere die Regeln der Messe.

  1. Jede Gruppe wird jetzt zu einem Messeteam. Jedes Messeteam hat dafür zu sorgen, dass der eigene Stand zu jeder Zeit mit mindestens einer Person (=Standpersonal) besetzt ist. Aufgabe des Standpersonals ist, Besucherinnen aus anderen Ständen freundlich zu empfangen und deren Fragen so ausführlich wie nötig zu beantworten. Ungebetene Vorträge sind nicht erwünscht. Wer gerade nicht als Standpersonal eingeteilt ist, kann sich als Besucherin über andere Stände informieren.
  2. Besucherinnen haben die Möglichkeit, sich bei anderen Ständen zu informieren. Aufgabe ist es, sich über alles zu informieren, was für sie neu oder durch Lesen nicht verständlich ist. Aufgabe der Besucherinnen ist, an den anderen Ständen Fragen zu stellen. Nachdem sich die Besucherinnen bei allen Ständen informiert haben, kehren sie zum eigenen Stand zurück und übernehmen die Aufgabe des Standpersonals. Wer bis dahin Standpersonal war, wird dann zum Besuchenden bei anderen Ständen.
  3. Jedes Team hat die Aufgabe, selbständig einen Schichtwechsel vorzunehmen. Die Messe ist zeitlich begrenzt.

Sobald ich mitbekomme, dass die meisten Teilnehmer*innen sich bei allen Ständen informiert haben, kündige ich das Ende der Messe an. In der Regel ist die Zeit der Messe angefüllt mit intensiven Gesprächen und Austausch und oft ist auch nicht allzu viel Zeit nötig, bis sich alle über alles informiert haben. Ich schätze, dass die Zeit bei der Hälfte oder bei einem Drittel im Vergleich der sonst üblichen Ergebnispräsentation liegt.

Kennenlernen im Modul Zaubern als Messe: Die erarbeiteten Trainerwappen werden in einer Messe ausgestellt.

Galerie

Hier ist das Vorgehen ähnlich wie bei der Messe: Alle Gruppen hängen ihre visualisierten Ergebnisse – am besten auf Flipchart oder Pinnwand – verteilt in den Raum. Nun erfolgt die Auswertung – ähnlich wie bei der Messe, allerdings entfällt das Standpersonal. Anstelle dessen sind alle gleichzeitig Besucher*innen und informieren sich bei allen ausgestellten Werken der Galerie.

Jeder Besucher und jede Besucherin erhält nun einen Marker und ist aufgefordert, die ausgestellten Ergebnisse zu kommentieren. Dazu werden einige Zeichen vereinbart.
Zum Beispiel:

Nachdem alle alles gesehen und kommentiert haben, erfolgt ein Gespräch im Plenum. Hier werden dann alle Fragezeichen beantwortet und über die Widersprüche diskutiert.

Fazit

Natürlich gibt es Situationen, in denen die klassische Präsentation der Ergebnisse durch die Kleingruppen im Plenum mehr Vorteile bietet. In der Regel dann, wenn ich als Trainer*in mit den Ergebnissen weiterarbeiten oder sie vertiefen möchte, ist eine Präsentation durch die Kleingruppen oft ein guter Einstieg in diese Arbeit. Oft aber sind Messe und Galeriearbeit ein zeitsparender und sehr informativer Weg, die Präsentation der Ergebnisse zu gestalten. Und der große Vorteil ist: Es wird nichts präsentiert, was alle eh schon wissen.


Modul Zaubern der abb-Trainerausbildung

In diesem 4-tägigen Modul lernst du, lernst du eine Vielzahl aktivierender Seminarmethoden, die du im Präsenz- sowie im Online-Training nutzen kannst: für den Einstieg in ein Thema, für die Erarbeitung von Inhalten, für Übung, Wiederholung, Anwendung und Transfer. Du entwickelst eigene Umsetzungsideen, erprobst diese und erhältst Feedback dazu. Du erfährst, wie du als Trainer*in eine unterstützende und motivierende Lernatmosphäre gestaltest und wie du dein Training dadurch bereicherst. Kurz: wie du deine Teilnehmerinnen „verzauberst“.

Mehrere Personen vor Flipchart, unterhalten sich zu Seminar Methoden
Portrait Albert Glossner


über den Autor

Albert Glossner ist Diplom-Psychologe, Trainer und Geschäftsführer der abb-seminare. Seit 1991 ist er in der Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen tätig und hat maßgeblich die Trainerausbildung der abb-seminare konzipiert und weiterentwickelt.

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