von Anja Klötzing, 12. März 2021
Während viele Coaches bereits einzelne virtuelle Elemente im Rahmen von Coachingprozessen nutzten, beschleunigte die Situation der sozialen Distanzierung die Verlagerung von Coachingsitzungen in den virtuellen Raum enorm. Virtuelle Coachingprozesse haben Besonderheiten, schränken dabei jedoch weniger ein als vielleicht gedacht.
Virtuelles Coaching bietet im Vergleich zum Coaching im Präsenzraum einige Vorteile: Coach und Klient*in müssen nicht am gleichen Ort sein, für die Zusammenarbeit wird keine spezielle Räumlichkeit benötigt, Reisewege und -zeiten entfallen und im Falle der Nutzung asynchroner Methoden entfällt sogar die Suche nach einem gemeinsamen Termin.
E-Mail Coaching kann eine hilfreiche Ergänzung innerhalb eines Coachingprozesses darstellen. Nach der Klärung inhaltlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen, wie bspw. wer antwortet wann oder in welchem Zeitraum, kann es aufgrund der aus dem Alltag gewohnten Nutzung dieses Kommunikationskanals sehr schnell, einfach und ohne technische Hindernisse eingesetzt werden.
Das Einbinden von E-Mail Coaching in den Coachingprozess ermöglicht eine asynchrone Kommunikation und erlaubt den Klienten, Umsetzungsschwierigkeiten und Fragen direkt zurückzumelden. Es setzt dabei ein Interesse am Schreiben voraus und kann, richtig eingesetzt, allein durch das Verschriftlichen von Gedanken und Emotionen zu mehr Klarheit führen.
Ohne weitere Technik kann, allein oder ergänzend im Coachingprozess, das Coachen via Telefon genutzt werden. Wie beim E-Mail Coaching entfallen auch hier einige Wahrnehmungskanäle. Dies macht notwendig, dass sowohl Coach als auch Coachee gut vorbereitet in das Gespräch gehen, Störfaktoren, wie bspw. Telefon- oder Türklingeln, ausgeschalten werden und das Gespräch bei voller Konzentration erfolgen kann.
Im Vergleich zur Nutzung von E-Mail und Telefon erlaubt ein Coaching im virtuellen Meeting-Raum, mehr Sinneskanäle anzusprechen. Dies ermöglicht dem Coach, besser zu kalibrieren, Stimmungen auch visuell wahrzunehmen und den Coachingprozess vielseitiger zu steuern. Dazu kommt die Möglichkeit des Einsatzes vielfältiger Coaching Methoden.
Viele Coachees verfügen bereits über Erfahrungen in der Nutzung von Online-Konferenzsystemen. Andernfalls ist eine kurze technische Einweisung in die wesentlichen Funktionen des virtuellen Meetingraumes zu Beginn des Coachingprozesses sinnvoll und unabdingbar.
Ein weiterer Vorteil des Online Coachings besteht in der Möglichkeit der Visualisierung mittels Whiteboard oder der gemeinsamen Arbeit an einem Dokument. Auch kann der Einsatz von Bildern und visuellen Ankern sowie Tönen positiv auf den Coachingprozess wirken.
Das Coaching im virtuellen Raum orientiert sich wie auch das Coaching im Präsenzraum an einem klar strukturierten Coaching Prozess. Dieser umfasst die Auftragsklärung, die Analyse des Istzustandes, eine Zieldefinition, die Erarbeitung von Handlungsoptionen und Lösungsstrategien, der Vorbereitung eines Handlungsplanes, die Klärung der Umsetzbarkeit und eine anschließende Evaluation.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei, wie auch im analogen Coaching Prozess, die offene Zusammenarbeit zwischen Coach und Coachee, die durch Vertrauen geprägt ist.
Doch wie kann es gelingen, im virtuellen Raum die Nähe aufzubauen, die den Klienten den geschützten Raum bietet, der eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich macht?
Zum einen kann durch das Kamerabild und die darüber erkennbare Mimik und Gestik die erste Hürde genommen werden. Auch der schnelle Abbau von Unsicherheiten in Bezug auf das technische Handling der gewählten Online Plattform sind eine gute Grundlage für den Aufbau einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Darüber hinaus bilden, im Präsenztermin wie auch im virtuellen Coaching, ein respektvoller Umgang miteinander, gegenseitige Wertschätzung sowie Verlässlichkeit die Basis für einen vertrauensvollen Coachingprozess.
Für erfahrene Coaches ist der Weg vom Präsenzcoaching in den virtuellen Coachingraum nicht sehr schwer. Zu beachten gilt, welche Werkzeuge und Möglichkeiten - je nach gewählter Online-Plattform - für die Durchführung von Interventionen zur Verfügung stehen und welche Wahrnehmungskanäle bedient werden können.
Für die Übertragung klassischer Coachingmethoden in den virtuellen Raum ist bei einigen Interventionen etwas Kreativität gefragt. Es gilt, klassische Coaching Methoden so zu verändern, dass ihre Wirkweisen erhalten bleiben und in angepasster Form im virtuellen Coaching wirksam eingesetzt werden können.
Wie du klassische Coachingmethoden im virtuellen Setting anwenden kannst, erfährst du im Modul "Online Coachen".
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