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Trainerausbildung
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Trainerausbildung intensiv

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Trainieren mit Corona

Trainieren mit Corona (II)

von Albert Glossner, 13. August 2020

Anfang März, noch vor dem Lockdown, schrieb ich den ersten Beitrag zum Thema Trainieren mit Corona. Nun ist der Umgang mit Corona Teil des Alltags geworden. Bei abb-seminare fanden inzwischen wieder eine Reihe von Präsenzseminaren statt. Wie gehe ich als Trainer mit diesem Thema um? Welche Konsequenzen hat es auf meine Trainingsgestaltung? Was sind meine Empfehlungen?

Meine Rolle

Mir ist klar, dass es in einem Präsenztraining keine 100%ige Sicherheit gibt, was den Ausschluss der Gefahr einer Infektion anbelangt. Meine Verantwortung als Trainer sehe ich jedoch darin, dazu beizutragen, das Risiko einer Infektion so niedrig wie möglich zu halten. Und in meiner Rolle als Gruppenleiter übernehme ich die Aufgabe, den Umgang mit Abstand, Hygiene und Masken möglichst frühzeitig in einem Seminar zu klären, um den Teilnehmenden Sicherheit zu geben. So spreche ich gleich zu Beginn das Thema Corona und den Umgang damit an. Dies beinhaltet natürlich formale Regeln, die sich aus dem jeweiligen Hygiene- und Infektionsschutzkonzept des Veranstalters und des Tagungsortes ergeben. Diese Regeln zu kommunizieren, finde ich notwendig aber alleine nicht ausreichend.

Mindestens ebenso wichtig finde ich es, zu klären, wie wir als jeweilige Gruppe damit umgehen und welche Wünsche, Erfahrungen und vielleicht auch Befürchtungen es gibt.

Häufig kommen Teilnehmer*innen aus verschiedenen Bundesländern, in denen je nach Region der Umgang völlig verschieden gelebt wird. So erlebe ich beispielsweise bei der Umsetzung der Regeln in Restaurants oder Geschäften einen erheblichen Unterschied, ob ich mich in Bayern, in Hamburg oder in Thüringen aufhalte. Zudem haben Teilnehmer*innen eine unterschiedliche Einstellung. Einige Teilnehmende gehen recht sorglos mit dem Thema um, andere Teilnehmer*innen halten von vorneherein viel Distanz und wirken sehr vorsichtig. Mein Ziel als Trainer ist es, dass sich alle Teilnehmenden sicher fühlen. Ich zeige von Anfang an, dass ich das Thema sehr ernst nehme. Ich bitte in einer Einstiegsrunde, Wünsche und auch möglicherweise Befürchtungen zu diesem Thema zu äußern und mitzuteilen. Bereits mehrfach erlebte ich, dass Teilnehmer*innen es sehr erleichtert, gleich zu Beginn möglichst offen und transparent über Corona und den gemeinsamen Umgang damit in der Gruppe zu sprechen. Viele berichten, dass sie gerade die Unklarheit im Umgang damit oft schon als belastend erlebt haben.

Nötige Regeln

Neben den formalen, durch das jeweilige Hygiene- und Infektionsschutzkonzept vorgegebenen Regeln (Informationspflichten, Zugangsbeschränkungen, Mindestabstand, Umgang mit Materialien) habe ich bislang gute Erfahrungen gemacht, folgende eher informelle Regeln zu vereinbaren:

  • Lüften: Immer dann, wenn ein*e Teilnehmer*in das Bedürfnis hat, dass gelüftet werden soll, möge dies bitte gleich kommuniziert werden. So stelle ich sicher, davon befreit zu sein, alleinig zu verantworten, dass dies möglichst oft geschieht.
  • Abstand: Wer auch immer, in welcher Situation auch immer, das Bedürfnis nach einem größeren persönlichen Abstand hat, möge dies bitte unmittelbar deutlich machen. Verbal oder nonverbal.
  • Check: Nach dem ersten Seminartag frage ich nach, ob der gemeinsame Umgang mit Corona für jede*n Teilnehmer*in als passend empfunden wird oder ob es weitere Wünsche zu unserem Umgang damit gibt.

Raum und Material

Nach aktuellem Forschungsstand spielen drei Formen der Übertragung eine Rolle: Aerosole, Tröpfchen- und Schmierinfektion. Dabei spielen nach aktuellem Kenntnisstand die Übertragung über Aerosole und Tröpfchen offensichtlich eine größere Rolle als die Infektion über Gegenstände und Oberflächen.

Diesem Kenntnisstand entsprechend halte ich eine entsprechende Priorisierung der Maßnahmen in der Trainingspraxis für sinnvoll:

Raum und Lüften: Grundvoraussetzung für die Einhaltung des Mindestabstandes ist eine entsprechende Raumgröße. Vor Corona war 5 qm pro Teilnehmer meine Empfehlung für die Raumgröße. Jetzt ist es Mindestanforderung geworden. In einem Raum zu arbeiten, der weniger als 5 qm pro Teilnehmer umfasst, halte ich für nicht verantwortlich. Im Zweifelsfall würde ich es als Trainer ablehnen, in einem Raum zu arbeiten, der dieses Kriterium nicht erfüllt. Darüber hinaus sehe ich es als meine Aufgabe als Trainer, dafür zu sorgen, regelmäßig (also möglichst alle 20-30 min) zu lüften. Dies wiederum verbinde ich gut mit meiner Trainingspraxis. Da ich einen Wechsel der Aktivität alle 20 min für sinnvoll halte, versuche ich daran zu denken, mit jedem Wechsel der Lernaktivität das Lüften zu verbinden.

Umgang mit Materialien: Um die gemeinsame Nutzung von Materialien zu reduzieren, erhält jede*r Teilnehmer*in eigenes Material. Bei abb-seminare gehört neben eigenem Stift eine Grundausstattung von 2 Neulandmarkern und eine eigene Arbeitsfläche dazu. Vom Prinzip des „fließenden Sitzens“, also einem täglichen Wechsel des Sitzplatzes, habe ich mich verabschiedet. In der Trainerausbildung Sommerakademie bieten wir zusätzlich zum Stuhlkreis mit Mindestabstand einen Arbeitsbereich, in dem allen Teilnehmer*innen ein eigener Tisch für konzeptionelle Arbeiten zur Verfügung steht.

Bei der Ausgabe von Materialien achte ich sehr darauf, diese nicht mehr persönlich zu überreichen. Ich lege sie in die Mitte, so dass sich jede*r Teilnehmer*in nacheinander ein Exemplar nehmen kann.

Auswirkung auf Methoden

Beim Einsatz der verschiedenen Methoden und Aktivitäten achte ich auf zwei Dinge:

  • Wie kann der Mindestabstand eingehalten werden?
  • Wie kann vermieden werden, Gegenstände herumzureichen?

Ich wähle den Einsatz der Seminarmethoden grundsätzlich so, dass Abstand eingehalten und Kontakte minimiert werden. Dies macht nötig, Methoden abzuwandeln. Hier einige Beispiele gemeinsam mit Trainerkolleg*innen entwickelter Ideen, die sich gut bewährt haben:

Gegenstand bei Rede-/Feedbackrunden: Egal ob Blitzlicht, Dialogrunde oder Feedback – der Einsatz eines Gegenstandes (Kooshball, Ball, „Klaus“, Stein, Redestab, …) zur Strukturierung des Gesprächsablaufes ist schon sehr hilfreich. Der Verzicht darauf fiel mir besonders schwer. Von meiner Kollegin Marion übernahm ich eine sehr schöne Idee. Ich benutze jetzt einen Gegenstand, der mit dem Fuß gekickt werden kann. Dafür führte ich einen Schaumstoffwürfel, den ich schon Jahre nicht mehr genutzt habe, einer neuen Nutzung zu. Er lässt sich ziemlich gut mit dem Fuß befördern und hat – weil er leicht und quadratisch ist – ein gewisses Eigenleben. Er landet also oft nicht dort, wo er landen soll, was manche ungewollt witzige Situation entstehen lässt. Außerdem ist er so leicht, dass er keinerlei Schaden anrichten kann.

Gegenstände zur Gruppeneinteilung: Schnüre, Quartettkarten oder Puzzleteile eignen sich gut zur zufälligen Gruppeneinteilung. Hier achte ich nun darauf, die Gegenstände nicht persönlich zu übergeben, sondern in der Mitte auszulegen und darauf, dass die Gruppenfindung möglich ist, ohne dass sich Teilnehmer*innen zu nahekommen.

Aktivierungen: Hier setze ich ausschließlich Aktivitäten ein, die mit entsprechendem Abstand durchführbar sind und nutze diese zusätzlich, um frische Luft einzulassen.

Unsere Lernaufgabe

Unter dem Gesichtspunkt des Lernens gesehen ist die besondere Herausforderung dieser Pandemie, als Gemeinschaft (also kollektiv) zu lernen. Es ist nötig, uns als Gemeinschaften neue Regeln zu geben und ein neues soziales Miteinander umzusetzen und dabei an Erkenntnissen zu orientieren, welche die Wissenschaft bereitstellt. Dies ist unsere aktuelle, kollektive Lernaufgabe. Ein individueller Ansatz reicht hier nicht aus. Wie gut dies unterschiedlichen Gesellschaften gelingt, erleben wir gerade.

Hier einen Beitrag zu leisten, besser als Gemeinschaft zu lernen, sehe ich als eine Aufgabe von uns Trainerinnen und Trainern.


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