Pilot: Positive Psychologie für Trainer

Positive Psychologie für Trainer

von Albert Glossner

„Flourishing für Trainer“ lautet das neue Modul unseres Ausbildungsangebotes im Bereich Positiver Psychologie. Es ist bei abb-seminare das erste Modul der Ausbildung Positive Psychologie im Level 2. Die Zielsetzung des Pilottrainings vom 16. bis 19. Oktober 2019 war unter anderem, das neue Konzept zu testen. Welche Erfahrungen habe ich, haben wir damit gemacht?


Was bedeutet Positive Psychologie Level 2?

Die Ausbildung zum Anwender Positive Psychologie (Level 1) umfasst bei abb-seminare ein Einführungsseminar zum Kennenlernen und 3 Seminarwochen á 5 Tage. Entsprechend der Ausbildungsordnung des Dachverbandes DACH-PP enthält das Level 2 (Berater Positive Psychologie) zwei Module á 4 Tage. Diese Module nehmen jeweils ein Anwendungsfeld der Positiven Psychologie als Schwerpunkt. Dabei können die Module je nach Interesse gewählt werden. Auch die Module verschiedener Anbieter können miteinander kombiniert werden. Das erste Modul Level 2 bei abb-seminare hat sich auf das Anwendungsfeld Training bezogen. Es richtet sich also an Trainerinnen und Trainer, die bereits die Ausbildung Positive Psychologie Level 1 absolviert haben.

Die Ziele dieses Moduls

Positive Psychologie für Trainer

Zielsetzung dieses Aufbaumoduls ist es, Themen der Positiven Psychologie zu vertiefen, die insbesondere für die Trainingsarbeit bedeutsam sind. Die Teilnehmer*innen lernen, mit welcher Art von Aktivitäten (Erkundung, Experiment, Erfahrung) die Themen und Interventionen der Positiven Psychologie am besten in die Trainingsarbeit umgesetzt werden können. Sie lernen eine Vielzahl neuer Interventionen kennen, die sich für den Einsatz im Trainingskontext eignen. Sie planen und erproben eine eigene Anwendung und vertiefen so ihre Kompetenz, Themen der Positiven Psychologie in ihrer eigenen Trainingspraxis anzuwenden.

Wer war dabei?

An dem Pilottraining haben 5 Trainer*innen teilgenommen, die zuvor auch schon bei abb-seminare ihre Ausbildung Positive Psychologie Level 1 abgeschlossen hatten: Antje arbeitet in einer Bank und leitet Führungs-, Stress- und Kommunikationstrainings, Silke arbeitet als Personalentwicklerin und Trainerin mit Führungskräften, Samy leitet Paarseminare, Marion hatte ihre Führungskräftetrainings und Teamentwicklungen im Blick. Anja hatte aktuell keine Trainings im Fokus, dafür aber Freude, die Übungen auf den Coachingkontext zu übertragen.

Die Inhalte

Froh & Parks (2013) unterscheiden bei der Übertragung von Inhalten und Interventionen der Positiven Psychologie auf das Training zwischen Erkundung, Experiment und Erfahrung. Mit dieser Einteilung haben wir gearbeitet und sie bei der Auswahl, der Planung und bei der Durchführung von Aktivitäten der PP im Training als hilfreich erlebt. Inhaltlich stand Flourishing, sowie die aktuellen Arbeiten zu „Lebenskunst“, „Weisheit“ und „Sinn“ im Mittelpunkt.

Zeitlich den größten Teil hat Stärkenmodell der Positiven Psychologie und damit verbundene Interventionen eingenommen. Hier stand die Auseinandersetzung mit, das Erleben von und der Einsatz der Charakter-Stärken-Interventionen im Training im Mittelpunkt. Die gemeinsame Erkenntnis dieser Tage ist, dass die Arbeit mit und der Einsatz von Stärken bei allen weichen Themen (Persönlichkeit, Soft-Skills, Kommunikation) einen zusätzlichen Nutzen bietet.

Am Cutting Edge der Entwicklung und Anwendung

Nach meiner Kenntnis war dies das erste Aufbaumodul Positive Psychologie – zumindest in Deutschland -, das es mit dem Anwendungsfeld Training gibt. Das Konzept liegt aktuell noch der Ausbildungskommission des Dachverbandes zur Anerkennung vor. Die zentrale Literatur, die diesem Modul zugrunde liegt, ist zwischen 2013 und 2018 erschienen und liegt teilweise noch gar nicht in deutscher Übersetzung vor. Etliche Übungen, die wir erprobt haben, sind vermutlich im deutschsprachigen Raum noch nie eingesetzt worden. Teilweise haben wir mit völlig neuen Anwendungen experimentiert. Folgende Seminareinheiten wurden am letzten Tag entwickelt und erprobt:

Positive Psychologie für Trainer
  • Eine Stärkenmeditation
  • Die Weiterentwicklung des Dankesbriefes für den Trainingskontext
  • Statisches vs. dynamisches Mindset in der Arbeit mit Führungskräften
  • Übung zum Einsatz der Charakterstärken für Führungskräfte
  • PERMA-Check mit Neurographik

Feedback

Es gibt einige Stellen, für die ich konkrete Ideen mitgenommen habe, wie ich das Konzept weiter optimieren kann. Sehr zufrieden bin ich aber damit, dass der gesamte Spannungsbogen des neuen Trainings funktioniert und das Konzept aufgegangen ist. Dementsprechend positiv auch das Feedback der Teilnehmer*innen:

„… für mich eine tolle Kombination an Übungen für die Arbeit mit mir selbst und Interventionen, die ich in meiner Arbeit als Trainerin einsetzen kann….“ „… mehr Sicherheit und Tiefe in der Anwendung der Positiven Psychologie…“, „… wertvolle Lernerfahrung…“, „… nehme auch Übungen mit, die ich quick und dirty einsetzen kann“, „… persönlich und als Trainerin aufgeblüht…“

Fazit: Warum Positive Psychologie für Trainer?

Ich bin überzeugt, dass die Positive Psychologie für Trainer auf drei verschiedenen Ebenen einen Nutzen bietet:

  1. Positive Psychologie unterstützt das eigene Aufblühen: wenn ich als Trainerin besser drauf bin, habe ich eine bessere Ausstrahlung und das wirkt sich unweigerlich auf meine Teilnehmer*innen und mein Training aus.
  2. Positive Stimmung für Teilnehmer*innen: Menschen in einem guten Zustand lernen besser. Hier bietet die Positive Psychologie einige Ansätze, die für das Lernen bedeutsam sind, insbesondere Positive Emotionen, Mindset, Motivation und Flow. (Diese Ansätze nutzen und vermitteln wir übrigens auch in unserer Suggestopädieausbildung.)
  3. Modelle und Übungen für Persönlichkeits- und Soft-Skill-Trainer*innen. Alle Trainer*innen, die beispielsweise mit den Themen Führung, Selbstmanagement, Stress, Kommunikation, Persönlichkeit, Beziehung oder Team arbeiten, können von den Modellen und Interventionen der Positiven Psychologie profitieren. Denn damit bringen sie einerseits ihren theoretischen Background auf einen aktuellen Stand und erweitern andererseits ihr Repertoire an Methoden und Übungen.

Wie geht’s weiter?

Aktuell liegt das Konzept dieses Moduls der Ausbildungskommission zur Anerkennung vor. Ich gehe davon aus, dass das Feedback grundsätzlich positiv sein wird. Das nächste Aufbaumodul „Positive Leadership“ bezieht sich auf das Anwendungsfeld Führung und findet vom 19. bis 22. Februar 2020 statt. Im Herbst – 26. bis 29. Oktober 2020 – gibt es dann das dritte Aufbaumodul der abb-seminare mit dem Anwendungsfeld „Coaching“.

Zentrale Literatur

Froh, J.J.; Parks, A.C. (2013). Activities for Teaching Positive Psychology. A Guide for Instructors.
Glück, J. (2016). Weisheit – die 5 Prinzipien des gelingenden Lebens.
Niemiec, R.M. (2018). Character Strengths Interventions. A Field Guide for Practitioners.
Schmitz, B.; Lang J. et al. (2017). Psychologie der Lebenskunst. Positive Psychologie eines gelingenden Lebens – Forschungsstand und Praxishinweise.
Schnell T. (2016). Psychologie des Lebenssinns.


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