Mit Positiver Psychologie auf dem DGSL-Kongress

Mit Positiver Psychologie auf dem DGSL-Kongressvon Albert Glossner

Motto des DGSL-Kongresses 2017 ist: „Positive Psychologie trifft Suggestopädie“. So bin ich auf diesem Kongress gleich mit zwei Workshops vertreten: „Charakterstärken – das Stärkenmodell der Positiven Psychologie“ und „Mindset – Strategien zum lernfördernden Umgang mit Misserfolg“. Eine Einführung in beide Themen und das Fotoprotokoll der Workshops findet sich in diesem Beitrag.

 

Workshop: Charakterstärken – das Stärkenmodell der Positiven Psychologie

Die wissenschaftliche Psychologie des 20. Jahrhunderts hat ihren Fokus auf Diagnose, Ursachenanalyse und Behandlung von psychischen Krankheiten und Störungen gelegt. Zielsetzung der Positiven Psychologie demgegenüber ist, zu erforschen und zu beschreiben, was zu einem gelungenen Leben und zum Aufblühen („Flourishing“) beiträgt.

In diesem Zusammenhang war es konsequent, sich darüber Gedanken zu machen, was einen „guten Charakter“ oder eine „entwickelte Persönlichkeit“ ausmacht und beschreibt. Um hier ein zeit- und kulturübergreifendes Modell zu finden, ist das Forscherteam um Martin Seligman und Christopher Peterson (Peterson & Seligman 2004) einen interessanten Weg gegangen:

Die Forscher haben zeitgenössische und alte Texte analysiert, um Stärken zu finden, die über die Zeit hinweg in verschiedenen Kulturen als wertvoll betrachtet werden. Folgende Quellen wurden berücksichtigt:

  • Antike Philosophen
  • Bibel (Altes und Neues Testament)
  • Koran
  • Schriften aus dem Buddhismus und Taoismus
  • Codex der Jedi-Ritter
  • Satzung der Pfadfinder
  • aktuelle Aufkleber und Sticker

Charakterstärken und Tugenden

Aus diesen Quellen hat das Forscherteam insgesamt 24 Charakterstärken identifiziert, die zeit- und kulturübergreifend gültig sind und als positiv bewertet werden. Diese 24 Charakterstärken verteilen sich auf 6 Stärkenfamilien. Diese werden auch als Tugenden bezeichnet. Diese sechs Tugenden sind:

  • Weisheit und Wissen
  • Mut
  • Menschlichkeit
  • Gerechtigkeit
  • Mäßigung
  • Transzendenz

Signaturstärken

Als Signaturstärken werden die 3-7 Charakterstärken bezeichnet, die ein Mensch am intensivsten nutzt. Diese Stärken werden auch als besonders erfüllend erlebt und als Bestandteil der eigenen Persönlichkeit verstanden („Das bin ich.“).

Gelingt es, die Signaturstärken im eigenen Arbeitskontext intensiv einzusetzen, so ergibt sich daraus meist eine hohe Erfüllung mit der Arbeit. Oft ist auch Flow-Erleben eine Folge davon.

Stärken und Forschung

Erkennen eigener Stärken und die Auseinandersetzung mit eigenen Stärken führt zu mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit.

Psychotherapie, die mit Stärken arbeitet, erweist sich als wirkungsvoller als herkömmliche Therapie.

Manager mit Topleistung fokussieren sich auf Stärken. Sie verbringen mehr Zeit mit hochleistenden Mitarbeitern, wählen Personal gezielt nach Talent aus und legen viel Wert auf Stärken.

Der Einsatz von Stärken im Beruf führt zu höherer Arbeitszufriedenheit und zu Flow.

Fotoprotokoll Workshop Charakterstärken

Weitere Information zu diesem Modell und auch der VIA-Test (Values In Action) findet sich auf der Seite der Universtität Zürich:

https://www.charakterstaerken.org/

 


 

Workshop: Mindset – Strategien zum lernfördernden Umgang mit Misserfolg

Eine Veränderung ganz einfacher Glaubenssätze kann eine große Wirkung haben. Carol Dwek hat mit ihrem Konzept des „Mindsets“ zwei grundlegende Selbstbilder unterschieden, die nach ihren Studien eine hohe Auswirkung auf Motivation, Erfolg, Umgang mit Fehlern und Lernentwicklung haben. Worum geht es in diesem Konzept?

„So bin ich nun mal. Ich kann das einfach nicht!“ Haben Sie so einen Satz schon mal gehört? Oder haben Sie vielleicht selbst schon so gedacht? Vielleicht können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie sich dabei gefühlt haben? Was für eine Situation mag das gewesen sein? Was war es, das Sie „einfach nicht konnten“?

Machen wir ein kleines Experiment: Stellen Sie sich einmal vor, sie hätten zu diesem Zeitpunkt das Wörtchen „noch“ in Ihre Aussage einfügen können: „Ich kann das noch nicht.“ Was hätte sich für Sie verändert?

Fixed mindset und growth mindset

Die Veränderung, die hier stattfindet, bezieht sich auf das Selbstbild bzw. die Einstellung, die Sie sich selbst gegenüber haben. Die Psychologin Carol Dweck unterscheidet zwischen dem statischen Selbstbild (fixed mindset) und dem dynamischen Selbstbild (growth mindset) (Dweck, 2009). Der Unterschied zwischen beiden liegt sozusagen in dem „noch“, welches wir oben eingefügt haben.

Das dynamische Selbstbild beinhaltet die Annahme, dass Sie sich zu einem gegebenen Zeitpunkt auf einem bestimmten Entwicklungsstand befinden, und dass Sie auf dieser Basis viele neue Dinge erlernen können. Wenn Sie etwas jetzt noch nicht beherrschen, kann eine zukünftige Version Ihrer Selbst durchaus dazu in der Lage sein – wenn Sie sich auf die Lernerfahrung einlassen und den Gedanken zulassen, dass Sie es jetzt tatsächlich noch nicht können. Aber vielleicht bald!

Statisches Selbstbild (fixed mindset)

  • Fähigkeiten und Intelligenz sind grundsätzlich vorgegeben und nicht oder wenig veränderbar.
  • Erfolg bedeutet, gute Noten zu haben bzw. der Beste zu sein. Dabei zählt das Ergebnis.
  • Fehler werden gleichgesetzt mit einem Mangel an Kompetenz. Nach Fehlern sinkt die Motivation.

Dynamisches Selbstbild (growth mindset)

  • Fähigkeiten und Intelligenz sind grundsätzlich entwicklungsfähig und veränderbar.
  • Erfolg bedeutet: „Lernen, um etwas besser zu verstehen.“
  • Fehler werden als Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet. Dadurch steigen Motivation und Leistungsbereitschaft.

Mindset und Umgang mit Misserfolg

Dweck hat in zahlreichen Studien mit Schülern und Erwachsenen bestätigt, dass Menschen mit statischem Selbstbild bei Misserfolg eher mit Hilflosigkeit reagieren, leichter unter Druck geraten und sich selbst in Frage stellen.

Das ist ja auch logisch: Wenn ich glaube, dass ich „so und so bin“, dann besteht mein Ziel darin, die Fähigkeiten, die ich sowieso glaube zu haben, immer wieder unter Beweis zu stellen. Schaffe ich das, bin ich nicht sonderlich überrascht. „Ich bin ja so. Wusste ich schon.“ Schaffe ich es nicht, bin ich gescheitert. „Ich dachte ich bin so, ich habe es nicht geschafft, also ist es wohl doch kein Teil meiner Person bzw. Fähigkeit X gehört wohl doch nicht zu mir. Ich bin also doch nicht kompetent.“ Das Scheitern trifft mich als ganze Person und das wirkt sich negativ auf die Motivation aus. Beim nächsten Mal werde ich es vielleicht nicht mehr versuchen. Außerdem werde ich versuchen, die Schuld extern zu suchen und andere Menschen abzuwerten. Wenn das nicht gelingt, leidet mein Selbstwert.

Menschen mit dynamischem Selbstbild denken eher wachstumsorientiert. Bei Misserfolg überlegen sie, was sie noch entwickeln oder verändern möchten. Erfolg besteht nicht darin, etwas unter Beweis zu stellen, sondern etwas zu lernen. Etwas besser zu schaffen als zuvor, etwas Neues zu verstehen. Falls ich etwas „falsch“ mache, ist das ein wertvolles Feedback. „So geht es also nicht. Das habe ich jetzt gelernt. Nächstes Mal versuche ich es anders.“ Das Kriterium ist also nicht im Außen, nämlich X zu schaffen, sondern im Inneren, X besser zu machen als vorher. Das Leistungsziel wird zum Entwicklungsziel. Damit bin ich Herr meiner eigenen Handlungen, meine Motivation ist höher und mein Erfolg wahrscheinlicher.

Was bringt uns Trainern dieses Konzept?

Wenn wir uns vorstellen, dass statisches vs. dynamisches Selbstbild keine unveränderbaren Einstellungen sind, sondern durchaus veränderbar und entwicklungsfähig, so bietet dieses Konzept einen großen Nutzen: Wenn es gelingt, Lernende für diese Grundeinstellungen zu sensibilisieren oder sie darin zu unterstützen, Herausforderungen oder Misserfolg im Sinne eines dynamischen Mindsets zu betrachten, kann dies eine große Auswirkung auf deren weiteren Umgang mit Fehlern, Motivation und Lernen bewirken.

Fotoprotokoll Workshop Mindset

 


PPWie können Sie dazu beitragen, dass andere Menschen ihr Potential entfalten?

Und worin finden Sie ganz persönlich Glück und Sinn?

 

Im 2-tägigen Einführungs-Workshop zur Positiven Psychologie setzen Sie sich u.a. damit auseinander, was ein gelingendes Leben für Sie bedeutet und wie Sie Achtsamkeit und Dankbarkeit in Ihr Leben integrieren können.

Weitere Informationen…

 



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2 Kommentare zu “Mit Positiver Psychologie auf dem DGSL-Kongress”

  1. Stefanie Schrader

    Lieber Albert,

    Danke für den tollen Workshop auf dem DGSL Kongress. Eine wahre Bereicherung!

    Antworten
    • Albert Glossner

      Liebe Stefanie,

      vielen dank für das Kompliment. Ja, es ist eigentlich auch mein Lieblings-Workshop.

      Für alle, die ihn verpasst haben: Ich biete ihn bald wieder an:
      – am 14. April 2018 auf der nlpaed-Fachtagung in Nürnberg und
      – am 27. April 2018 bei den abb-Impulstagen hier in Pößneck.

      Antworten

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