Interview zur Coachingausbildung

Coachingausbildung Molzahn Kammervon Albert Glossner

Ein Gespräch geführt von Albert Glossner mit Peggy Kammer und Rainer Molzahn über das Thema Coachingausbildung.

Rainer und Peggy, ihr beide leitet die Coachingausbildung bei abb-seminare. Könnt ihr Euch beide kurz vorstellen?

Peggy: Wenn ich gerade nicht Ausbildungstrainerin in der Coachingausbildung bin, begleite ich als Unternehmerin Leute in die und in der Selbstständigkeit. Außerdem bin ich als Vorsitzende des Wandelforums ehrenamtlich sehr aktiv und genieße viel Zeit mit künstlerischen Aktivitäten. Ich habe als Teilnehmerin vor einigen Jahren die Coachingausbildung erlebt und durchlebt – und überlebt :) Während dessen und danach ging bei mir die Post ab. Die Ausbildung war der Stein des Anstoßes, um meinen Weg in die Welt zu finden und zu gehen. Danke dafür noch mal an euch beide, Rainer und Albert.

Rainer: Ich bin gelernter Psychologe. Nach einem guten Dutzend Jahren klinisch-diagnostischer Praxis hab ich dann meinen endgültigen Fokus gefunden: das Miteinander, das Durcheinander und Gegeneinander von Personen und Rollen in Organisationen und anderen Gemeinschaften. Das ist eine kulturanthropologische Perspektive. Sie hilft mir in meiner Praxis, Personen und Systeme in Veränderungsprozessen zu begleiten und Orientierungshilfen zu geben.

Was bedeutet Euch diese Coachingausbildung?

Peggy: „Alles“ wäre jetzt übertrieben und ist gleichzeitig wahr. Coaching ist für mich ein Prozess des Entdeckens, Erkundens und Bewusst-Werdens. „Huch, das ist aber komisch“ – mit diesem ersten Stolpern geht der Prozess oft los. Ich glaube und bin überzeugt, dass der Auftrag für jeden Menschen darin besteht, die eigene Größe und den individuellen und unverwechselbaren Beitrag im Leben zu finden und zu entfalten. Und wenn ich dabei helfen kann, künftige Coachs zu begleiten, dass sie anderen dabei helfen können, wach, stark und wirksam zu sein – dann ist das das Beste, was ich machen kann.

Rainer: Coaching ist einer der Wege, Veränderungen zu begleiten. Das, was ich in meinem Leben über die Zusammenhänge zwischen individueller und kollektiver Veränderung gelernt habe, an eine neue Generation von Agenten der Veränderung weiterzugeben, ist mir sehr wichtig. Eigentlich eine Art Verpflichtung. Die müssen ja nicht in dieselben Fallen tappen wie ich …

Worin zeichnet sich denn die Coachingausbildung aus?

Peggy: Ich würde drei Punkte nennen –

  • Coaching als Beziehungsarbeit: Coaching ist für uns kein Abarbeiten von Methoden, sondern ein Da-Sein und Wach-Sein von zwei Menschen, die für eine Zeit einen Weg gemeinsam gehen. Wir haben das WIE im Coaching (mehr dazu im Blogbeitrag „Mein Verständnis vom Coaching“) benannt mit den 3 Worten: Wachheit, Interesse und Empathie. Das ist einfach zu verstehen und gleichzeitig so anspruchsvoll in der Umsetzung. Und das üben und reflektieren wir stetig – auch in den Pausen.
  • Das grundlegende Modell der 5 Grenzen (mehr dazu im Blogbeitrag „Das 5-Grenzen-Prozessmodell“): Das ist unser Navigationsinstrument und hilft uns, den Prozess im Coaching professionell zu führen. Mich hat schon als Teilnehmerin fasziniert, dass alle möglichen Ansätze, Konzepte und Methoden ihren Platz darin finden. Und egal, ob wir uns dessen gerade bewusst sind oder nicht: Alles, was uns passiert und was wir tun, durchläuft diese 5 Grenzen. Jetzt gerade. Just in diesem Moment. Während ich spreche… Rainer hat übrigens vor Kurzem das Prozess-Modell transformiert.
  • Rainer und ich als Begleiter: Wir wissen, wovon wir reden und haben ne Menge Erfahrung – Rainer natürlich viel mehr, weil er schon länger Zeit hatte :) Rainer ist ein Meister im Begleiten von Veränderungsprozessen und ich hab meine Lehrzeit abgeschlossen. Wir beide sind da und zeigen uns als Personen. Ich glaube, ich bin ein ganz gutes Modell dafür, wie man als Coach, also in der Rolle, agieren kann, wie frei man sich fühlen darf. Und dass es eine Bereicherung für den Coachingprozess ist, wenn man als Coach einfach Mensch ist und mutig das teilt, was gerade ist.

Rainer: Auch von mir drei Dinge –

  • Die Verbundenheit zwischen Person und Welt. Die habe ich vorhin schon angedeutet. Das Scharnier zwischen Person und Welt ist die Rolle, und deshalb arbeiten wir in der Ausbildung sehr bewusst mit dieser Dynamik. Deswegen geht es am Ende immer um ein verändertes Handeln in die Welt hinein. Wenn das nicht da ist, war jede Anstrengung zur Veränderung für die Katz. Und ohne ein Bewusstsein für unsere Rolle, deren Beitrag und Rang wird jeder Versuch, andere zu beeinflussen, im Unglück enden. Wie furchtbar schade ist das!
  • Peggy hat es schon zitiert: Das Prozessmodell, das jedem Veränderungsgeschehen unterliegt und das uns (und natürlich unseren Lernenden) hilft, die Interventionen zu strukturieren. Dieses Modell bietet Präzision, und theoretische Konsistenz. Jede Veränderung muss 5 Pforten passieren, um in der Welt anzukommen:
  1. Die Pforte der Wahrnehmung: hingucken
  2. Die Pforte der Information: erforschen
  3. Die Pforte der Bedeutung: bewerten
  4. Die Pforte des Ich: entscheiden
  5. Die Pforte des Handelns: beeinflussen
  • Die Qualität unserer Beziehungsaufnahme zu den Lernenden. Wenn man eine anspruchsvolle neue Kompetenz erwirbt, braucht man vor allem drei Dinge von den Leuten, von und mit denen man lernt: Man braucht glaubwürdige Modelle, die einem Orientierung geben, man braucht differenziertes Feedback, und man braucht manchmal Hilfe in der Arbeit mit sich selbst. Ich glaube, dass wir diese drei Dinge ganz gut hinkriegen. Und ich finde es ganz wunderbar, dass wir zwei unterschiedlichen Generationen und Geschlechtern angehören – aber mit einer sehr starken gemeinsamen Perspektive.

Letzte Frage: Was kennzeichnet denn einen Teilnehmer oder eine Teilnehmerin, so wie ihr sie Euch von Herzen wünscht?

Peggy: Das ist leicht. Ich wünsche mir Leute, die es ernst meinen – mit sich, mit ihren Mitmenschen und dem Leben. Das heißt für mich, dass Teilnehmende Spaß daran haben, Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen, sich selbst zu erforschen und zu zeigen und dass sie mit ihrer Rolle als Coach experimentieren und damit wachsen.

Rainer: Das ist schwer. Ich kann hier fast keine eindeutige Antwort geben, dazu bin ich schon zu oft überrascht worden. Manchmal dachte ich zuerst, oh je, das wird nix, und dann passierte Erstaunliches. Aber auch umgekehrte Prozesse habe ich erlebt. Meine Bereitschaft, mich überraschen zu lassen, ist also ein wesentlicher Teil meiner professionellen Haltung. Ich glaube, womit ich auf Dauer nicht gut umgehen kann, ist, wenn mein Beziehungsangebot nicht angenommen wird, sondern eine unverbindliche Konsumentenperspektive vorherrschend bleibt. Dann gibt es keine Basis. Wenn aber Bereitschaft da ist, sich zum Tango der Lernbeziehung einladen zu lassen, darf man so schräg sein wie es nur geht. Willkommen!

Mehr Informationen über die Coachingausbildung bei abb-semnare mit Peggy Kammer und Rainer Molzahn: www.abb-seminare.de/coachingausbildung


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