Ich und meine Rolle – ein Spannungsfeld

Ich und meine Rolle – ein Spannungsfeldvon Rainer Molzahn

Die Unterscheidung zwischen Rolle und Person, ihr Zusammenspiel – oder auch ihr Konflikt – besonders in Zeiten der Veränderung, ist eines der ganz wichtigen konzeptuellen Tools unserer Arbeit sowohl mit Systemen wie mit Individuen. Insbesondere ist es zentral in der Art und Weise, wie wir Coaching betreiben und lehren.

 

Warum also ist das Rolle/Person-Konzept so wichtig?

Weil wir nicht einfach nur als Personen Beziehungen zu anderen aufnehmen. Im Gegenteil: Sobald wir überhaupt in Beziehungen zu anderen treten, beginnen wir, eine Rolle einzunehmen.

Mit dem Begriff ‚Rolle‘ bezeichnen wir den mehr oder weniger formalisierten Beitrag, den eine Person für das Ganze des Systems erbringt, von dem sie ein Mitglied ist.

Eine Familie zum Beispiel ist ein relativ informelles System, und so sind auch die Rollen, die es beherbergt, nicht sehr genau festgelegt und ausbuchstabiert. Trotzdem ist jedes Familienmitglied davon getrieben (und wird in seinem Bemühen von den anderen Mitgliedern darin beobachtet), ein ‚guter‘ Vater, eine ‚gute‘ Mutter, ein ‚gutes‘ Kind zu sein, also die eigene Rolle so zu spielen, dass das Ganze gedeiht.

Wie gut das gelingt, ist ein ständiges Thema des inneren Dialogs, den jedes Mitglied mit sich führt.

In Zeiten der Veränderung und des Konfliktes

ist das Rolle/Person-Thema auch ein Leitmotiv des ‚äußeren‘ Dialoges, der zwischen den Beteiligten geführt wird.

Die schlimmste, die vernichtendste  Kritik, die man sich gegenseitig sagen kann, ist meist nicht, dass man einfach als Person unerträglich ist – sondern dass man seine Rolle nicht spielt, also seinen Beitrag nicht leistet. Dass man also ein schlechter Vater, eine schlechte Mutter oder ein schlechtes Kind ist.

In bürokratischen, hoch formalisierten Systemen, in denen die Rollen der Mitglieder bis ins Kleinste ausdekliniert sind, verhält es sich nicht anders: jedes Mitglied ist auch hier davon getrieben, die eigene Rolle zur eigenen Zufriedenheit und vor allem zur Zufriedenheit der anderen auszufüllen. Wenn das nicht hinreichend gelingt, drohen nicht nur eigene Unzufriedenheit und Kritik von anderen, sondern letztlich der Rauswurf.

Kein System, ob nun informell oder formell, kann auf Dauer funktionieren, wenn es nicht von den Beiträgen seiner Mitglieder getragen wird. Dieses intuitive Wissen ist ganz tief in unserer aller evolutionären Genen gespeichert, denn wir alle als Einzelne brauchen wiederum funktionierende Gemeinschaften und Systeme; alleine und ganz für uns überleben wir nicht.

Das Faszinierende hier ist:

Rollen sind etwas essenziell Unpersönliches.

Zwar ist es wichtig, wie eine Rolle von einer Person gespielt wird. Aber noch viel wichtiger ist es, dass jemand die Rolle spielt, dass der Beitrag, den sie zur Verfügung stellt, im System repräsentiert ist. Man kann als noch so nett und charmant sein, wenn man seinen Beitrag nicht erbringt, ist man eigentlich nicht zu gebrauchen.

Wir sind als Individuen immer Teil eines komplexen Netzwerks persönlicher wie unpersönlicher (Rollen-) Beziehungen, und unsere Rolle ist sozusagen das Scharnier zu der Gemeinschaft, von der wir ein Teil sind.

Meist und solange wir sie innehaben, dominiert sie uns als Personen, weil das Ganze diesen Beitrag braucht.

Und dann gibt es immer wieder Situationen und Zeiten, in denen wir als Personen über unsere Rolle hinauswachsen müssen.

Dabei zu helfen, das ist unser innerster Antrieb, wenn es darum geht, Veränderung in komplexen Zusammenhängen zu begleiten.

Im Workshop „Im Spannungsfeld von Person und Rolle“ bearbeiten wir mit Ihnen gemeinsam intra- und interpersonelle Konflikte und probieren neue Handlungsoptionen aus.


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